COPALA / Dr. Natascha Freund

Coaching & Recht

Schlagwort: Anfang

Der Zauber des Anfangs

AnfangJedem Anfang wohnt ein Zauber inne – schreibt Hermann Hesse. So verheißungsvoll auch Anfänge sein können, so viel Ängste können auch dabei sein.

Was überwiegt?

Was will die Angst Ihnen sagen?

 

Bedenken Sie – der Zauber wohnt nicht nur dem Anfang inne, sondern auch in Ihnen.

Sie waren mir von Anfang an sympathisch …

Liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie auch dieses Gefühl…Sie treffen jemanden zum ersten Mal und aus einem für Sie zunächst nicht erklärbaren Grund, ist Ihnen dieser Mensch sofort sympathisch? Bei anderen Begegnungen dauert es oft länger – Wochen oder sogar Monate – bis wir uns mit einer Person wirklich wohlfühlen. Warum ist das so? Und – kann man das beeinflussen?

Der Grund hierfür liegt vermutlich darin, dass wir erst Vertrauen erwerben müssen. Wir wollen die/den andere(n) kennenlernen, das Gemeinsame finden, eine emotionale Verbindung schaffen. Dazu muss jemand beginnen, diesen „Vertrauensvorschuss“ zu geben.

Gehirnuntersuchungen haben gezeigt, dass bei „Sympathie auf den ersten Blick“ der Überträgerstoff Dopamin so außerordentlich aktiv arbeitet, als stünden wir unter Drogen.

Ist das ein Zufall oder können wir solche Momente sogar fördern?

Die Antwort lautet – ja – wir können solche Momente herbeiführen. Doch lassen Sie mich zuvor noch von den beiden Wirtschaftswissenschaftler Keith Murnighan und Donald Conlon berichten, die die Organisationsdynamik von Streichquartetten untersucht haben. Sie wollten herausfinden, warum manche Streichquartette erfolgreicher waren als andere.

Der Grund lag nicht, wie man vermuten könnte, in der reinen musikalischen Fähigkeit, nein, es war vielmehr die Dynamik in der Gruppe. Die Mitglieder unterstützen sich mehr und applaudierten sich auch gegenseitig. Meinungsverschiedenheiten wurden ausdiskutiert; im Vordergrund stand stets die gemeinsame Sache, nicht jedoch die persönliche Profilierung. Jeder wusste – gemeinsam, d.h. nur mit den Fähigkeiten und dem Einbringen aller, war gemeinsamer Erfolg möglich.

Daraus folgt die Frage: Wenn wir alle zu sehr auf uns konzentriert sind, wenn wir für uns immer „ein Solo“ spielen, ist das der Grund dafür, dass sich keine „sympathisches Balance“ einstellen kann?

Was sind also die Bedingungen und Voraussetzungen, die Sympathie fördern – jeder für sich, in ihrem/seinem gewünschten Ausmaß – im privaten, wie auch im beruflichen Kontext?

  • Ähnlichkeit

Ähnlichkeit führt zu größerer Sympathie. Das macht wohl auch den Gruppeneffekt aus – sei es im Zuge einer Ausbildung, einem Arbeitsteam oder den Zuhörern bei einem Konzert. Je mehr Ähnlichkeiten uns mit anderen Menschen verbinden, umso wahrscheinlicher ist es, dass wir uns mit dieser Person gut verstehen. Gleich und gleich gesellt sich eben gern.

Ebenso verhält es sich, wenn wir eine schwierige Lebensphase gemeinsam mit jemandem durchgestanden haben. Das ist eine intensive gemeinsame Erfahrung, baut emotionale Barrieren ab, die wir oft aus Schutzgründen errichtet haben.

Diese Effekte lassen sich beispielsweise gut in Teams umsetzen, insbesondere dann, wenn nicht die Fähigkeiten eines Solisten oder das Schicksal einer Person im Vordergrund stehen.

  • Verletzlichkeit

Glauben Sie, dass wenn Sie sich verletzlich zeigen, andere von Ihnen glauben könnten, Sie seien schwach?

Tatsächlich sind Verletzlichkeit und Selbstoffenbarung im zwischenmenschlichen Kontakt ein Zeichen der Stärke. Mal ehrlich, wie viele Menschen kennen Sie, die Verletzlichkeit zulassen? Wenige? Woran liegt das? Haben wir verlernt, einer anderen Person zu vertrauen?

Was wäre, wenn ich Verletzlichkeit zulassen würde?

Verletzlichkeit kann also Sympathie erzeugen, denn einer offenbart sich dem anderen und der andere lässt sich davon berühren. Zugegeben, nicht in jedem beruflichen Haifischbecken ist diese Situation gegeben.

  • Nähe

Wie viel Nähe lassen Sie in Ihrem Leben zu? Ist das Gespräch, das Sie mit dem Nachbarn über scheinbar unbedeutende Dinge im Fahrstuhl führen, nicht doch auf irgendeine Art bereichernd für Sie?

In diesen Situationen können Sie Verbindung eingehen und Kontakt aufbauen – ohne auf ein Geben und Nehmen zu achten. Es wird von Ihnen nichts erwartet und Sie können auch nichts verlieren, aber Sie können durch das Zulassen dieser Nähe einen Grundstock an Sympathie mit anderen Menschen aufbauen – indem sie sich einfach und offen im Alltag zeigen.

  • Präsenz

Wünschen Sie sich nicht auch manchmal, dass Ihnen der Gesprächspartner mehr das Gefühl gibt, Ihnen zuzuhören? Wie sieht es mit Ihnen aus – sind Sie bei jeder Kommunikation – egal mit wem (!) –  immer vollkommen präsent?

Achten Sie auf Augenkontakt und darauf, dass Sie Ihr Gegenüber gut verstehen – oder hoffen Sie, dass das Gespräch bald vorbei ist?

 

Anhand dieser 4 nur beispielhaft angeführten Merkmale, die alle in Ihrer Hand liegen, können Sie in der Situation jeweils auf andere Menschen zugehen, diesen Menschen Raum geben und sie einladen, näher zu kommen. Sie schaffen eine persönliche Atmosphäre und sind „da“, ohne etwas darstellen zu müssen oder „zu glänzen“. So wird Sympathie entstehen, wenn Sie diesen Vertrauensvorschuss gewähren.

Ich schließe diesen Newsletter mit einem Zitat von Khalil Gibran:

„Vertrauen ist eine Oase im Herzen, die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird.“

Mit sympathischen Grüßen

Natascha Freund

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Quelle: Psychologie Heute, Heft 34, 2013.