COPALA / Dr. Natascha Freund

Coaching & Recht

Schlagwort: Eltern (Seite 1 von 4)

Eltern sind auch nur Menschen

Vor einiger Zeit las ich bei bento.de den Artikel „Eltern sind auch nur Menschen und Menschen sind nicht perfekt“. Es ging darum, was Kinder aus den Beziehungen ihrer Eltern gelernt haben. Kernpunkt waren die Muster, die die Eltern vorgelebt haben und deren Auswirkungen auf das eigene Partnerschaftsverhalten.  Haben die Eltern viel gestritten und hat sich diese Atmosphäre in das eigene Leben verlagert oder haben sie wie Pech und Schwefel zusammengehalten oder haben die Eltern aufgegeben und neue Partner gefunden.

Mittlerweile erwachsene Kinder wurden interviewt zu den Beziehungsmustern ihrer Eltern und es gab folgende Ergebnisse:

  • Die meisten Kinder akzeptierten die Entscheidungen ihrer Eltern und den eingeschlagenen Weg nach dem Motto: Lass sie mal machen.
  • Viele Kinder zeigen einen reflektierten Abstand, der darauf hinausläuft, das Partnermodell der Eltern zu akzeptieren, es aber nicht zum Muster des eigenen Lebens zu machen.
  • Die heutige Generation der 25-35jährigen lehnt Partnerschaftsmodelle ab, bei denen man sich in die Abhängigkeit eines anderen Menschen begibt, sowohl emotional als auch wirtschaftlich.

Besonders beeindruckt haben mich zwei Aussagen, die ich in meiner Praxis auch immer in Beratungen einfließen lasse, und bei denen es um Authentizität und Arbeit geht:

Die 31jährige Marlene schrieb über ihre Eltern: „Egal, welche kleinen Schwächen der Partner oder die Partnerin hat, am Ende geht es darum, dass man sich aufeinander verlassen kann. Einfach so sein kann, wie man will, ohne sich verstellen zu müssen. Und dass man viele Sachen miteinander teilt: Sei es, die gleiche Platte aufzulegen, den gleichen Berg zu erklimmen, den gleichen Rotwein zu trinken oder gemeinsam neben dem halbvollen Glas auf dem Sofa einzuschlafen.“

Und  Alex, 21, schrieb: „Die beiden haben mir gezeigt, dass Liebe nur ein Teil einer funktionierenden Beziehung ist. Denn eine Beziehung ist auch Arbeit und benötigt immer wieder eine neue Willensentscheidung. Denn wir müssen in Beziehungen zurückstecken, auf den Anderen achten – ohne dabei uns selbst zu vergessen. Trotzdem müssen wir manchmal standhaft bleiben. Erst wenn wir wirklich lieben, sind wir auch in schwierigen Zeiten bereit, an der Beziehung festzuhalten und füreinander da zu sein.“

Erinnert Sie das vielleicht an einen Satz, der in meinen Newslettern häufiger vorkommt? „Liebe ist Arbeit – vermutlich die schönste der Welt.“

Und im Übrigen: Kinder sind auch nur Menschen und müssen ebenfalls nicht perfekt sein…

Das Verhalten als Eltern

Wenn Sie Kinder haben, stehen Sie vielleicht manchmal vor der Frage, wie Sie die Verantwortung teilen und wie Sie die Erziehung gestalten. Es kann sein, dass einer der Partner z.B. sehr auf die Sicherheit bedacht ist, während der andere dem Kind mehr Freiräume geben möchte, sei dies beim Spielen auf dem Spielplatz im Kleinkindalter („Wie weit darf das Kind sich wegbewegen?“) oder bei Ausgehzeiten bei Teenagern („Wann muss man zu Hause sein? Wie / wann muss man Bescheid geben?“)

Die Diskussionen darüber in Familien sind vielseitig. Jeder der Erwachsenen meint, das zu tun, was für das Kind am besten ist. Aber was ist das?

Bei all dem, was unsere Werte und Vorstellungen von Erziehung prägt, kommt es stark darauf an, was uns unsere Eltern bzw. Bezugspersonen vorgelebt haben. Welche Einstellungen, Werte hatten sie? Was haben sie uns vorgelebt? Wesentlich ist aber auch, was und wie wir unsere Kindheit erlebt haben und was unser Verhalten geprägt hat. Gemachte Erfahrungen gehen freilich über die Kindheit hinaus.

Heute sind Sie selbst Eltern – als Eltern handeln Sie stets nach bestem Wissen und Gewissen. Ich unterstelle jedem Elternteil, dass er (vom „Normalfall“ ausgehend) dem Kind stets Gutes tun möchte. Wir möchten die kleinen/großen Wesen gut ins Leben führen und begleiten. Sie bestmöglich auf alle Widrigkeiten und Stürme des Lebens vorbereiten. Dabei haben wir Ängste und Sorgen – was könnte dabei alles passieren?!

Ein wesentlicher Faktor ist aber auch, sich selbst zu hinterfragen – was hat mir als Kind gut getan und vielmehr, was hat mir – aus meiner Sicht – gefehlt? Als Eltern neigen wir dazu, die eigenen nicht erhaltenen Bedürfnissen bei den eigenen Kindern gut zu machen. Wir geben den Kindern dann etwas, was die Kinder in der Situation vielleicht gar nicht brauchen; doch in einer ähnlichen Situation als Kind hätten wir genau das Verhalten gebraucht, welches wir unseren Kindern anbieten.

Lassen Sie mich dies an zwei Beispielen verdeutlichen:

Sie haben als Kind vielleicht die Erfahrung gemacht, zu wenig Lob zu erhalten (wichtig an dieser Stelle ist, dass dies Ihr Eindruck ist und nicht jener der Eltern oder Geschwister). Sie werden als Erwachsener dann bestrebt sein, das eigene Kind ganz oft zu loben, ungeachtet dessen, ob dieses Lob immer angebracht ist. Nun kann man hinterfragen, was das mit dem eignen Kind macht. Ist ein Lob oder sagen wir so, stetes Lob wirklich immer gut?

Oder: Sie sind als Kind nicht gerne alleine geblieben. So werden Sie als Erwachsener vielleicht bestrebt sein, ganz oft zu Hause zu sein und ihr Kind nur wenig alleine zu lassen. Auch hier ist die Frage zu stellen, ist das das Verhalten, was das Kind braucht oder heilen Sie damit Ihre eigene Kindheitsverletzung?

Die von mir in meinen Beiträgen schon gelegentlich erwähnte Phasen der Bindung, Exploration, Kompetenz und Identität in den ersten Lebensjahren sind bei unseren eigenen Kindheitsverletzungen unter anderen von bedeutendem Einfluss.

Es hat also viel mit uns selbst zu tun, wie wir uns verhalten. Wenn Sie also Ihren Partner kritisieren für das, was er oder sie tut oder nicht tut in Bezug auf die Kindererziehung, fragen Sie sich stets auch selbst: was hat das mit mir zu tun?

Rückblick…Erziehung

Wenn Sie heute auf Ihre Erziehung/Kindheit zurückblicken, gibt es etwas, bei dem sie gedacht haben „das werde ich garantiert bei meinen Kindern einmal anders machen“?

Und…ist es so oder haben Sie es doch übernommen, weil mit dem Abstand von ein paar Jahren man gewissen Dinge versteht oder auch nicht…?

Kind und Handy

Neulich sah ich in der Straßenbahn einen Mann mit seinem ca. 2 jährigen Sohn. Der Vater schaute das Kind empathisch und voller Liebe an. Das Kind saß im Kinderwagen, wischte am Handy und beachtete den Vater nicht.

Der Mann sagte zu einem anderen Fahrgast: “Ich habe überlegt, ob ich dem Kind eine zweite Sprache beibringen soll, aber…“ und ich fragte mich: Was ist heute die wichtigere Kulturtechnik: Sprache, empathisches Verhalten oder am Handy wischen???

Väterkarenz und die Folgen für die Partnerschaft

Ende Juli 2018 erschien im Standard ein Artikel zum Thema „Wie es die Männer mit der Karenz halten“. Thematisiert wurde darin, wie die österreichischen Männer und Familienväter die Möglichkeit zur Karenz nutzen.

Fakt ist, dass Männer seit 1990 die gesetzliche Möglichkeit zur Väterkarenz haben, und seit 2004 sogar einen Rechtsanspruch darauf.

Fakt ist aber auch, dass laut Familienministerium derzeit fast ein Fünftel der Väter Kinderbetreuungsgeld bezieht. Das ist wenig und dazu kommt, dass, wer sich für Väterkarenz entscheidet, es meist nur kurz macht, in der Regel kaum länger als 2 Monate.

An der Oberfläche sieht es gut aus, viele Männer bekennen sich zum Vater-Sein und involvieren sich, aber in der Praxis sprechen dann doch viele Gründe dafür, das traditionelle Bild der Rollenverteilung zu wählen, weil z.B. in ländlichen Gebieten die Betreuung für unter 3jährige kaum verfügbar ist oder weil es in den Betrieben weder Erfahrungen mit Väterkarenz gibt noch eine „Akzeptanz“ dafür, dass Vater und Mutter das Kind gemeinsam betreuen und auch beide (aber nicht in Vollzeit) arbeiten gehen.

Väterkarenz ist – so ein Glaubenssatz – schlecht für die Karriere (der Männer). Man kann aber auch fragen – was bewirkt die ungenutzte Väterkarenz für die Partnerschaft?

An dieser Stelle habe ich schon häufig darüber geschrieben, dass Paare mit kleinen Kindern das Risiko eingehen, sich stark auf die Elternebene zu konzentrieren und die Paarebene zu reduzieren. Damit einher geht der Verlust an gemeinsamer Zeit, weil ein starker Fokus auf Kind und Karriere, aber eben nicht auf das Miteinander gelegt wird. Die ungenutzte Väterkarenz verstärkt das noch. Die Mütter bleiben in der traditionellen Rolle, die Väter versuchen als Familienernährer und als Vater zu agieren – aber auch als Partner?

In meiner Praxis habe ich schon viele Fälle gesehen, in denen dieses Ungleichgewicht der Kinderbetreuung auch ein Ungleichgewicht in der Partnerschaft zur Folge hatte. In weiterer Folge gab es den Fokus auf seine Karriere und ihre Erziehungsarbeit – und dann hatten sich beide auseinandergelebt, weil die Paarebene verloren gegangen war.

Wäre es da nicht besser, wenn die Chance besteht, sich gemeinsam gleichwertig um das Kind, um die Erhaltung der Familie aber auch umeinander zu kümmern? Wäre es nicht schön, wenn auch mal die Väter die Betreuung zu Hause übernehmen und die Mama fragen, wie der Tag war, wenn diese nach Hause kommt?

Mit dem Modell der Väterkarenz gibt es die Chance auf eine gleichwertige und gleichberechtigte Involvierung von Frau und Mann in alle Aspekte des Familienlebens – zu Hause, bei der Arbeit und in der Partnerschaft. Ein Gleichgewicht ist auch für das Elternpaar als 2er-Gespann eine gute Sache.

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