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Höher, weiter, schneller, schöner, fitter

Die „Selbstoptimierung“ ist schon ein eigener kleiner Forschungszweig der Psychologie geworden. Und dabei geht es nicht nur um die Optimierung im beruflichen Umfeld, um möglichst flexibel und leistungsfähig dazustehen, sondern auch in der Freizeit.

„Die bestmögliche Entspannung gehört zum Programm wie der nächste Karriereschritt“ wird Georg Juckel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychatrie und Psychotherapie an der Universität Bochum zitiert. Sport, Coaching und Schönheits-Operationen – das sind wachsende Märkte. Offenbar entgleitet uns immer mehr die Möglichkeit, zufrieden zu sein – wir streben nach mehr. Was in einer leistungsorientierten Gesellschaft oft als Antrieb zur Weiterentwicklung gilt, droht sich langsam als Schraube zu überdrehen – es bedeutet mehr Stress, Leistungsdruck und schadet der Gesundheit mehr als es nützt. Bekanntermaßen ist punktueller Stress als Leistungsanforderung durchaus in Ordnung, wird das zum Dauerzustand kann es schnell ins Negative kippen.

Ein wesentlicher Grund dieser Entwicklung ist die Schnelllebigkeit der Zeit, vor allem die rasche Verfügbarkeit von Informationen über Rekorde und Höchstleistungen. Umgeben von all diesen Meldungen baut sich ein Druck auf und überträgt sich der Gedanke des „Ich muss besser werden“ auf den Beobachter.

Kann man aus diesem Hamsterrad aussteigen? Der Artikel empfiehlt 5 Ideen zum Ausstieg aus der Selbstoptimierungsfalls:

  1. Neue Perspektiven einnehmen und andere Blickwinkel zulassen
  2. Eine ausgewogene Mischung des Lebensgefühls – auch mal dorthin gehen, wo wir sein können, wie wir sind und nicht nur an der Leistung gemessen werden
  3. Selbsterkenntnis trainieren um zu erkennen, was einem fehlt und wie man sich das evtl. selbst geben kann
  4. Ein stimmiges Lebensgefühl anstreben, auch das Positive sehen
  5. Gesund leben

Und ich füge aus meiner Praxis noch den Tipp hinzu

  • Bewusstes Loslassen, d.h. Antriebe, Motive und Druck analysieren und sich bewusst fragen:
    • „muss“ ich diesem Druck jetzt nachkommen?
    • was passiert, wenn ich das jetzt nicht mache?

Sich selbst zu kennen, hilft schon enorm weiter, dann braucht man weniger die Bestätigung durch Geräte und Maschinen, auch wenn sie heute dazugehören. Und vielleicht geht es einem dann wie Tim Bendzko in seinem Lied „Beste Version“:

Hab mich in allen Varianten ausprobiert
Mich bis ins letzte Detail optimiert
Das ist schon die beste Version von mir

 

Quelle und Inspiration: Spiegel Nr. 2 / 2020 mit der Titelgeschichte „Mein bestes Ich“.

Etwas Neues ausprobieren…

Wir machen ganz oft immer dasselbe…wir kochen das gleiche Essen, wir ziehen die gleichen Sachen an, wir gehen die gleichen Wege, …

Machen Sie doch einmal etwas anders.

Was wäre, wenn Sie ein ganz neues Rezept, mit ganz neuen Zutaten, bei denen sie überhaupt erst recherchieren müssen, wo sie diese bekommen, kochen würden. Vielleicht entdecken Sie ja, dass Ihnen dieses neue schmeckt?

Oder nehmen Sie doch einmal einen anderen Weg…wohin Sie auch gerade gehen müssen…

Sich selbst etwas Gutes tun…

Grundsätzlich sind wir bestrebt, Menschen, die uns nahestehen, Gutes zu tun.

Stehen Sie sich selbst auch nahe? Dann sollten Sie ab und zu auch einmal etwas Gutes für sich tun.

Überlegen Sie doch einmal, was das sein könnte: ein Spaziergang, ein warmes Bad, sich selbst Blumen schenken, …

Dem Glück auf der Spur

Erinnern Sie sich noch an den Film aus den 70er Jahren über Herrn Rossi. In Herr Rossi sucht das Glück führt Rossi das freudlose Leben eines Arbeiters in einer Fischfabrik. Er leidet unter seinem hochnäsigen und cholerischen Chef, dessen Villa zu allem Unglück auch noch direkt neben Rossis kleinem Häuschen steht. Gaston, der Hund des Chefs, macht ihm zusätzlich durch seine Kläfferei das Leben schwer (Wikipedia). Und da gab es dieses nette Lied mit dem Refrain:

Denn Herr Rossi sucht das Glück…

sucht man es, so fehlt ein Stück,

ja es fehlt ein Stück vom Glück

Glück beschäftigt die Menschen. In letzter Zeit gab es dazu zwei größere Beiträge. Zum einen das neue Buch von Eva Illouz und Edgar Cabanas („Das Glücksdiktat und wie es unser Leben beherrscht“) und zum anderen ein großer Artikel im Spiegel vom Jänner 2020 („Die Vermessung des Glücks“). Beide befassen sich damit, dass das Streben nach Glück auch negative Seiten haben kann. Einige wichtige Aussagen dabei sind,

  • dass die Glücksforschung methodisch von vielen Wissenschaftlern kritisiert wird, weil das Glücksempfinden des Einzelnen oder von ganzen Ländern sich sowohl schwer messen, als auch vergleichen lässt. Glück ist ein individuelles Empfinden, wobei vielen Menschen gar nicht bewusst ist, was Glück für sie individuell bedeutet und was es ausmacht.
  • Glück von anderen Werten in unserer Gesellschaft abhängt, wie Gleichheit, Gerechtigkeit oder Freiheit, damit geht auch immer eine politische Dimension einher.
  • die Glückswissenschaft zum Teil eine politisch geförderte Branche sei, die vor allem der Politik und den Unternehmen diene, zum einen um die Menschen zu beruhigen, zum anderen aber auch, aus dem Glück ein Business zu machen.
  • dass die Glückswissenschaft negative Gefühle wie Zorn, Wut und Hoffnungslosigkeit unterdrückt und damit den Menschen nicht ganzheitlich sieht.
  • dass Glück fälschlicherweise mit psychischer Gesundheit gleichgesetzt wird.
  • dass Glück und Erfolg oft verwechselt werden.
  • viele Menschen nach Glück streben, aber auf dem Weg dorthin in eine Falle der Selbstoptimierung geraten, die sie gerade daran hindert, Glück zu empfinden.
  • dass Glück nicht ohne sozialen und gesellschaftlichen Kontext gesehen werden kann.

All das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich schrieb diesen Beitrag zur Beginn der Corona-Krise im März 2020 als die Geschäfte geschlossen waren und an Arbeit nicht zu denken war. Meine Klienten blieben aus, niemand ging mehr aus dem Haus und somit auch nicht in Beratung. Die Einschränkungen der persönlichen Freiheit waren spürbar, das Gefühl zur Situation mehr als beunruhigend. War ich in dieser Situation unglücklich? Und wenn ja, warum? Und wenn nein, warum nicht?

Vielleicht wurde Ihnen daran bewusst, was Sie glücklich macht? Ist es Ihre Familie, Ihre Arbeit, oder etwas zu tun, bei dem Sie sich einbringen können, etwas das Sinn stiftet?

Ich habe eine kleine Übung für Sie:

Nehmen Sie sich ein Blatt Papier und erstellen eine Tabelle mit 3 Spalten. In die erste Spalte schreiben Sie die Dinge, die Sie glücklich machen. In die zweite Spalte schreiben Sie, was Sie dazu benötigen und in die dritte Spalte schreiben Sie, ob dass, was Sie glücklich macht auch Sinn stiftet.

Vielleicht stellen Sie fest, dass das, was sie brauchen um glücklich zu sein, von wenigen elementaren Dingen abhängt (zB ein Dach über dem Kopf) und nicht immer Sinn stiften muss. Und vielleicht hilft Ihnen dies gerade in Krisenzeiten herauszufinden, ob und was Sie glücklich macht, auch wenn die äußeren Herausforderungen groß sind.

„Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten.“
Pearl S. Buck, Schriftstellerin (1892-1973)

Die Geschichte von den zwei Fröschen

Zwei Frösche hatten sich eines Nachts auf den Weg gemacht. Sie wollten ihre nähere oder entfernte Umgebung erkunden, um neue und interessante Dinge zu lernen. Sie genossen die kühle Nachtluft an ihren glatten Körpern. Wenn sie hüpften, hörte man das Platschen ihrer Füße. Der Mond beleuchtete ihren schmalen Pfad.

Unerwartet befanden sich die beiden Frösche vor einer Tür, die einladend offen stand. Neugierig hüpften sie in einen kühlen Raum, auf dessen gekacheltem Boden mehrere Tonkrüge standen.

Ohne lange nachzudenken, sprang ein Frosch, nennen wir ihn Pitsch, auf einen der Krüge. Viel zu spät bemerkte er, dass der Krug keinen Deckel hatte, und er landete in einer weißen sahnigen Flüssigkeit. Patsch, der andere Frosch, hörte das Platschen, und da Frösche ein gutes Herz haben, sprang er sofort nach, um zu helfen. Manchmal ist es so, das Gefühl ist stärker als der Verstand.

Bekanntlich können Frösche gut schwimmen, obwohl sie nicht wissen, dass das eine besondere Fähigkeit ist. Aber so ist es mit allen Lebewesen. Sie haben besondere Fähigkeiten, ob ihnen das bewusst ist oder nicht. Zuerst machte ihnen das Schwimmen Spaß. Sie schleckten von der süßen Sahne und blickten nach oben, wo das Mondlicht zum Träumen verführte. Bald aber wurden sie müde. „Ich kann nicht mehr“, keuchte Pitsch. „Hier kommen wir nie heraus. Es hat keinen Sinn.“

Patsch schwamm an die Seite von Pitsch. „Du hast recht, es sieht schwierig aus. Die Wände sind hoch und glatt. Aber denk mal, wie schön das Leben in unserem Froschteich ist, wenn wir alle zusammen sind, wenn wir gemeinsam singen und uns freuen, dass wir leben.“

Pitsch schöpfte Hoffnung. „Ich will auch leben“, sagte er. „Wie sollen wir aber rauskommen? Ich kann denken, soviel ich will, ich sehe keine Lösung.“

„Wenn es darauf ankommt“, überlegte Patsch laut, „findet man häufig intuitiv die richtige Lösung. Ich hatte mal einen Traum. Vor Millionen von Jahren waren unsere Vorfahren noch größer als wir und sie konnten noch nicht so gut denken. Aber sie haben trotzdem überlebt, auch wenn es damals sehr gefährlich war und nicht sehr angenehm auf der Welt. So ungefähr wie jetzt bei uns im Krug. Und weißt du, was unser Urahn mir im Traum gesagt hat? Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Tief in uns wissen wir die Lösung. Es findet sich immer ein Weg, wenn man nicht aufgibt. Kommt Zeit, kommt Rat!“

Die Frösche strampelten weiter. Als nach einiger Zeit Patsch keine Kraft mehr hatte, redete Pitsch ihm zu. „Wozu haben wir uns so lange abgemüht, wenn du jetzt aufhören willst? Weißt du noch, wie es damals war, als der Storch uns auflauerte und du ihn immer wieder geschickt und mutig von der Familie weggelockt hast?“

So sprachen sie sich gegenseitig Mut zu und die Erinnerung an vergangene Zeiten, als es ihnen gelang, auch in ausweglos erscheinenden Lagen zu überleben, gab ihnen neue Energie.

Endlich graute der Morgen. Und als die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster lugten, spürten die beiden Frösche plötzlich etwas Festes unter ihren Füßen. Sie saßen auf einem großen Klumpen Butter, den sie selbst, ohne sich dessen bewusst zu sein, mit ihren Füßen geschaffen hatten. Sie waren glücklich, dass sie lebten, und dankbar für die Erfahrung dieser Nacht, die ihr zukünftiges Leben prägen würde.

Quelle: https://www.eagle-vision-communication.de/Die_Geschichte_von_den_zwei_Froeschen.htm mit noch mehr wunderschönen Geschichten

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