COPALA / Dr. Natascha Freund

Coaching & Recht

Schlagwort: Für mich (Seite 1 von 6)

Die Sache mit der Harmonie…

„Ebony and Ivory – Live together in perfect harmony“…von Paul Mc Cartney und Stevie Wonder aus dem Jahr 1982 hat sich in manchen Köpfen schon gut manifestiert. Die Sehnsucht nach Konfliktfreiheit (in diesem Fall zwischen Elfenbein und Ebenholz, also schwarz und weiß) ist groß. Es gibt Zeitschriften hierzu, Teemischungen, Badezusätze, stapelweise Ratgeber…Yin und Yang stets an unserer Seite…

Was tun wir nicht alles für Harmonie oder anders gefragt, warum tun wir das alles?

Hinter der Suche nach Harmonie stecken in Wahrheit tieferliegende Ängste. Angst vor Aggressionsausbruch, Angst davor in Ungnade zu fallen oder ausgeschlossen zu werden. Und in Wahrheit ist das eine uns sehr bekannte Angst…und da sind sie schon wieder…unsere gelliebten und doch stets verdrängten Kindheitsverletzungen – dieses Mal in Form von Angst vor Ablehnung, Zurückweisung, Liebesentzug, wenn wir uns nicht so verhalten, wie es die Eltern gefordert haben.

Wir lernen von klein auf, uns einzuordnen. Ausgestoßen zu sein, ist sowohl für ein Kind als auch für einen Erwachsenen einer der wohl schlimmsten Strafen. Kennen Sie das auch noch, als Sie die Tante „gezwungen“ hat, dem Spielkameraden die Hand zu geben, um sich zu entschuldigen, egal ob Sie wollten oder nicht? Und haben Sie es dem lieben Frieden Willen getan oder haben Sie lieber den abgestandenen Geruch in der Strafecke genossen?

Wie sieht es heute aus? Immer noch im Klub der Harmonie dabei? Die Bezugspersonen sind nicht mehr unbedingt unsere Eltern, sondern die viele anderen Mitmenschen, von denen wir täglich umgeben sind und mit denen wir „im besten Einvernehmen“ leben wollen.

Ja, seien Sie zuverlässig, fallen Sie bloß nicht auf und ecken Sie bitte nicht an – dann können Sie sich dem Wohlwollen der Gesellschaft sicher sein. Jede Gemeinschaft benötigt für ihr Funktionieren genau solche Menschen; Menschen, die sich integrieren, die verlässlich und berechenbar sind.

Der Psychologe Solomon Asch hat mit einem Experiment gezeigt, wie Gruppenzwang wirkt: So hat er eine Testperson in einen Raum geführt, wo bereits mehrere andere Menschen waren. Die Testperson ging davon aus, dass es sich bei den anderen ebenso um Testpersonen handle; tatsächlich waren diese jedoch Darsteller. Gemeinsam mussten sie beurteilen, ob und inwieweit, die ihnen auf Bilder gezeigten Linien einander entsprechen. Hinzugefügt muss werden, dass diese Aufgabe grundsätzlich sehr einfach gestaltet war. Das Experiment hat gezeigt, dass sich die Testperson in 37% der Fälle der Meinung der (bewusst falschen) Schätzung der „Darsteller-Mehrheit“ anschloss.

Das zeigt, dass, wenn sich jemand konform verhält, er dem Urteil der anderen mehr vertraut als dem eigenen. Gründe, dass Menschen die eigene Meinung hintanstellen oder sogar leugnen, sind der Wunsch nach Anerkennung, aber auch der Angst vor der Ausgeschlossenheit.

Was also tun? Sie könnten sich fragen, welche Gefühle und Bedürfnisse Sie in einer bestimmten Situation haben und ob Sie nicht auch gelegentlich ihrem Bauch vertrauen dürfen oder ihrem Wissen oder eben auch einfach nur authentisch sein dürfen. Es ist schwer, dieses in der Kindheit erfahrene Verhalten zu ändern, aber Sie müssen ja nicht in Aggression oder Unfreundlichkeit verfallen. Wenn Sie sich der Meinung anderer anschließen, ohne davon überzeugt zu sein, was sagt das dann über Sie aus? Verraten Sie sich nicht ein wenig selbst? Wie wäre es, wenn Sie in einer solchen „Harmonie-Zwickmühle“ einfach Sie selbst sind und sagen, was Sie denken und fühlen? Ein Versuch ist es allemal wert…

Impulse aus Psychologie heute 08/2016

Heute schon gelächelt?

Wussten Sie, dass unser Gehirn nicht unterscheiden kann, ob wir tatsächlich lächeln oder nur den Mund in Richtung eines Lächeln ziehen? Wenn wir unsere Mundwinkel zu einem Lächeln ziehen und dies für mindestens 60 Sekunden halten, beginnt das Gehirn bereits Serotonin auszuschütten. Studien zeigen, dass diese Übung zu mehr Zufriedenheit beiträgt.

Probieren Sie es aus – stellen Sie sich vor dem Spiegel oder sonst wo und lächeln Sie…die Übung ist umso effektiver, wenn Sie diese mehrfach am Tag machen.

Ein sehr anschauliches Video dazu gibt es von Vera Birkenbihl: https://www.youtube.com/watch?v=LtPZ3gKAZs0

Die Reise zum ICH

Wenn wir beispielsweise uns ein neues Auto kaufen, studieren wir die Bedienungsanleitung, die wohl möglich mehrere hundert Seiten umfasst, sehr genau. Wie aber bediene, warte und pflege ich meine Seele? Warum stehen wir der faszinierenden Vielfalt unseres Innenlebens so ignorant und desinteressiert gegenüber?

Fast immer braucht es eine existentielle Krise, bis der Mensch sich auf den Weg zu sich selbst macht. Die eigene Persönlichkeitsentwicklung zu erforschen, ist freilich mühsamer und lästiger als sich eine Shoppingtour zu gönnen…

Spruch der Woche (KW 44)

Der eine Tag im Leben, der alles verändern kann, beginnt jeden Tag neu…

Leben Sie – jeden Tag in vollem Bewusstsein!

Heute in der Straßenbahn haben sich zwei Frauen miteinander unterhalten. Dem Gespräch war zu entnehmen, dass sie sich soeben erst in der Straßenbahn kennengelernt haben. Sie haben sich angeregt unterhalten über das Leben, ihre Krankheiten, wie hart die Schule des Leben ist – schwere Themen und doch waren die beiden so zuversichtlich und auch kämpferisch. Als eine der beiden aussteigen musste, wünschten sie sich gegenseitig alles Gute. Die jüngere von den Damen sagte „Leben Sie! Leben Sie jeden Tag!“.

Genau – jeden Tag LEBEN in vollem Bewusstsein und mit dem Blick auf die positiven Dinge, wenn die auch manchmal rar gesät sind.

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