COPALA / Dr. Natascha Freund

Coaching & Recht

Schlagwort: Herausforderung (Seite 1 von 3)

Die Sache mit der Harmonie…

„Ebony and Ivory – Live together in perfect harmony“…von Paul Mc Cartney und Stevie Wonder aus dem Jahr 1982 hat sich in manchen Köpfen schon gut manifestiert. Die Sehnsucht nach Konfliktfreiheit (in diesem Fall zwischen Elfenbein und Ebenholz, also schwarz und weiß) ist groß. Es gibt Zeitschriften hierzu, Teemischungen, Badezusätze, stapelweise Ratgeber…Yin und Yang stets an unserer Seite…

Was tun wir nicht alles für Harmonie oder anders gefragt, warum tun wir das alles?

Hinter der Suche nach Harmonie stecken in Wahrheit tieferliegende Ängste. Angst vor Aggressionsausbruch, Angst davor in Ungnade zu fallen oder ausgeschlossen zu werden. Und in Wahrheit ist das eine uns sehr bekannte Angst…und da sind sie schon wieder…unsere gelliebten und doch stets verdrängten Kindheitsverletzungen – dieses Mal in Form von Angst vor Ablehnung, Zurückweisung, Liebesentzug, wenn wir uns nicht so verhalten, wie es die Eltern gefordert haben.

Wir lernen von klein auf, uns einzuordnen. Ausgestoßen zu sein, ist sowohl für ein Kind als auch für einen Erwachsenen einer der wohl schlimmsten Strafen. Kennen Sie das auch noch, als Sie die Tante „gezwungen“ hat, dem Spielkameraden die Hand zu geben, um sich zu entschuldigen, egal ob Sie wollten oder nicht? Und haben Sie es dem lieben Frieden Willen getan oder haben Sie lieber den abgestandenen Geruch in der Strafecke genossen?

Wie sieht es heute aus? Immer noch im Klub der Harmonie dabei? Die Bezugspersonen sind nicht mehr unbedingt unsere Eltern, sondern die viele anderen Mitmenschen, von denen wir täglich umgeben sind und mit denen wir „im besten Einvernehmen“ leben wollen.

Ja, seien Sie zuverlässig, fallen Sie bloß nicht auf und ecken Sie bitte nicht an – dann können Sie sich dem Wohlwollen der Gesellschaft sicher sein. Jede Gemeinschaft benötigt für ihr Funktionieren genau solche Menschen; Menschen, die sich integrieren, die verlässlich und berechenbar sind.

Der Psychologe Solomon Asch hat mit einem Experiment gezeigt, wie Gruppenzwang wirkt: So hat er eine Testperson in einen Raum geführt, wo bereits mehrere andere Menschen waren. Die Testperson ging davon aus, dass es sich bei den anderen ebenso um Testpersonen handle; tatsächlich waren diese jedoch Darsteller. Gemeinsam mussten sie beurteilen, ob und inwieweit, die ihnen auf Bilder gezeigten Linien einander entsprechen. Hinzugefügt muss werden, dass diese Aufgabe grundsätzlich sehr einfach gestaltet war. Das Experiment hat gezeigt, dass sich die Testperson in 37% der Fälle der Meinung der (bewusst falschen) Schätzung der „Darsteller-Mehrheit“ anschloss.

Das zeigt, dass, wenn sich jemand konform verhält, er dem Urteil der anderen mehr vertraut als dem eigenen. Gründe, dass Menschen die eigene Meinung hintanstellen oder sogar leugnen, sind der Wunsch nach Anerkennung, aber auch der Angst vor der Ausgeschlossenheit.

Was also tun? Sie könnten sich fragen, welche Gefühle und Bedürfnisse Sie in einer bestimmten Situation haben und ob Sie nicht auch gelegentlich ihrem Bauch vertrauen dürfen oder ihrem Wissen oder eben auch einfach nur authentisch sein dürfen. Es ist schwer, dieses in der Kindheit erfahrene Verhalten zu ändern, aber Sie müssen ja nicht in Aggression oder Unfreundlichkeit verfallen. Wenn Sie sich der Meinung anderer anschließen, ohne davon überzeugt zu sein, was sagt das dann über Sie aus? Verraten Sie sich nicht ein wenig selbst? Wie wäre es, wenn Sie in einer solchen „Harmonie-Zwickmühle“ einfach Sie selbst sind und sagen, was Sie denken und fühlen? Ein Versuch ist es allemal wert…

Impulse aus Psychologie heute 08/2016

Spruch der Woche (KW 2/2019)

Was ist ein Meister? Nun, ich werde es dir sagen:

Ein Meister ist nicht derjenige, der etwas lehrt, sondern jemand, der seinen Schüler dazu anregt,

sein Bestes zu geben, um ein Wissen zu entdecken, das er bereits in seiner Seele trägt.

Der Weg des Bogens (Paulo Coelho)

Väterkarenz und die Folgen für die Partnerschaft

Ende Juli 2018 erschien im Standard ein Artikel zum Thema „Wie es die Männer mit der Karenz halten“. Thematisiert wurde darin, wie die österreichischen Männer und Familienväter die Möglichkeit zur Karenz nutzen.

Fakt ist, dass Männer seit 1990 die gesetzliche Möglichkeit zur Väterkarenz haben, und seit 2004 sogar einen Rechtsanspruch darauf.

Fakt ist aber auch, dass laut Familienministerium derzeit fast ein Fünftel der Väter Kinderbetreuungsgeld bezieht. Das ist wenig und dazu kommt, dass, wer sich für Väterkarenz entscheidet, es meist nur kurz macht, in der Regel kaum länger als 2 Monate.

An der Oberfläche sieht es gut aus, viele Männer bekennen sich zum Vater-Sein und involvieren sich, aber in der Praxis sprechen dann doch viele Gründe dafür, das traditionelle Bild der Rollenverteilung zu wählen, weil z.B. in ländlichen Gebieten die Betreuung für unter 3jährige kaum verfügbar ist oder weil es in den Betrieben weder Erfahrungen mit Väterkarenz gibt noch eine „Akzeptanz“ dafür, dass Vater und Mutter das Kind gemeinsam betreuen und auch beide (aber nicht in Vollzeit) arbeiten gehen.

Väterkarenz ist – so ein Glaubenssatz – schlecht für die Karriere (der Männer). Man kann aber auch fragen – was bewirkt die ungenutzte Väterkarenz für die Partnerschaft?

An dieser Stelle habe ich schon häufig darüber geschrieben, dass Paare mit kleinen Kindern das Risiko eingehen, sich stark auf die Elternebene zu konzentrieren und die Paarebene zu reduzieren. Damit einher geht der Verlust an gemeinsamer Zeit, weil ein starker Fokus auf Kind und Karriere, aber eben nicht auf das Miteinander gelegt wird. Die ungenutzte Väterkarenz verstärkt das noch. Die Mütter bleiben in der traditionellen Rolle, die Väter versuchen als Familienernährer und als Vater zu agieren – aber auch als Partner?

In meiner Praxis habe ich schon viele Fälle gesehen, in denen dieses Ungleichgewicht der Kinderbetreuung auch ein Ungleichgewicht in der Partnerschaft zur Folge hatte. In weiterer Folge gab es den Fokus auf seine Karriere und ihre Erziehungsarbeit – und dann hatten sich beide auseinandergelebt, weil die Paarebene verloren gegangen war.

Wäre es da nicht besser, wenn die Chance besteht, sich gemeinsam gleichwertig um das Kind, um die Erhaltung der Familie aber auch umeinander zu kümmern? Wäre es nicht schön, wenn auch mal die Väter die Betreuung zu Hause übernehmen und die Mama fragen, wie der Tag war, wenn diese nach Hause kommt?

Mit dem Modell der Väterkarenz gibt es die Chance auf eine gleichwertige und gleichberechtigte Involvierung von Frau und Mann in alle Aspekte des Familienlebens – zu Hause, bei der Arbeit und in der Partnerschaft. Ein Gleichgewicht ist auch für das Elternpaar als 2er-Gespann eine gute Sache.

Besser einmal versagt, als niemals gewagt

Wer besondere Fähigkeiten hat, darf an sich glauben und alles dafür tun, seine Träume zu verwirklichen. Wer es nicht tut, ist in Gefahr sich viele Jahre des Lebens darum zu grämen, die Chance nicht wahrgenommen zu haben. Und wer hinfällt, steht wieder auf und macht weiter.

Es sind unsere eigenen Grenzen und der (begrenzte) Glaube an uns selbst, der uns hindert, das zu tun, was wir können, wollen und wofür wir gesehen werden wollen. Wer seinen Traum versucht wahr zu machen, darf wirklich behaupten: Jetzt bin ich dran!

Die eigenen Ängste überwinden

Damit Sie in Ihrer Beziehung Kränkungen verarbeiten können, ist es notwendig, dass Sie auch über Ängste sprechen können. Man zeigt damit dem Gegenüber natürlich auch seine Schwächen. Ein solcher Schritt ist umso schwieriger zu machen, wenn man in der Kindheit einer kränkenden und verletzenden Entwertung ausgesetzt war, wenn man Ängste gezeigt hat.

Es ist wichtig, sich dies bewusst zu machen. Wir alle haben den Rucksack der Kindheit zu tragen. Wenn Sie Ihre Schwächen zeigen, kann Ihr Partner seine Stärke zeigen, indem er Ihnen hilft.

Dies ist ein großer Vertrauensbeweis, aber vielleicht einen Versuch wert?

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