COPALA / Dr. Natascha Freund

Coaching & Recht

Schlagwort: Liebe (Seite 1 von 2)

Eine Stunde Zeit mit Papa…

Wenn dich jemand liebt, heißt das, dass du einen Teil seines Lebens, seiner Zeit und seiner Aufmerksamkeit einnimmst.

Die folgende Geschichte, die im Internet kursiert, bringt, so scheint mir, ganz gut zum Ausdruck, was ich sagen will:

Eines Nachts, als alle im Haus tief und fest schlafen, steht der fünfjährige Ernesto aus seinem Bett auf und tapst zum Zimmer seiner Eltern. Er bleibt neben dem Bett seines Vaters stehen und zupft an der Decke, bis er wach wird.

„Was verdienst du eigentlich, Papa?“, fragt er.

„Hä? Was …?“, stammelt der Vater schlaftrunken.

„Was du auf der Arbeit verdienst.“

„Kind, es ist zwölf Uhr nachts. Geh schlafen.“

„Ja, Papa, ich geh ja schon, aber was verdienst du denn jetzt?“

Der Vater setzt sich im Bett auf und schimpft leise vor sich hin:

„Du gehst jetzt auf der Stelle ins Bett! Das sind keine Themen, die dich was angehen. Und schon gar nicht um Mitternacht!“ Damit weist er zur Tür.

Ernesto lässt den Kopf hängen und geht wieder in sein Zimmer.

Am nächsten Morgen überlegt der Vater, dass er zu streng zu Ernesto gewesen ist und man ihm seine Neugier nicht zum Vorwurf machen kann. Um das Ganze wiedergutzumachen, sagt der Vater beim Abendessen zu dem Kleinen:

„Was deine Frage von heute Nacht angeht: Ich bekomme 2800 Pesos Gehalt, aber nach Abzug der Steuern bleiben 2200 übrig.“

„Hui! Das ist aber viel, Papa!“, antwortet Ernesto.

„So viel ist das gar nicht, mein Sohn. Die Ausgaben sind hoch.“

„Aber du arbeitest viel.“

„Ja, sehr viel.“

„Wie viele Stunden?“

„Den ganzen Tag, mein Sohn.“

„Ah.“ Der Sohn nickt und setzt dann hinzu: „Dann hast du viel Geld, oder?“

„Schluss jetzt mit der Fragerei. Du bist zu klein, um über Geld zu reden.“

Es wird still im Wohnzimmer, und alle gehen schweigend ins Bett. In dieser Nacht werden die Eltern erneut von Ernesto aus dem Schlaf gerissen. Diesmal hat er ein Blatt Papier mit darauf gekritzelten Zahlen in der Hand.

„Papa, kannst du mir fünf Pesos leihen?“

„Ernesto, es ist zwei Uhr nachts!“, schimpft der Vater.

„Ja, aber könntest du …?“

Der Vater lässt ihn nicht ausreden:

„Deshalb fragst du dauernd nach dem Geld, du Rotzbengel! Geh auf der Stelle ins Bett, bevor ich dir den Pantoffel um die Ohren haue! Raus hier! Ab ins Bett, los.“

Und wieder, diesmal schluchzend, tapst Ernesto zur Tür.

Eine halbe Stunde später geht der Vater zu seinem Sohn ins Zimmer, vielleicht, weil er gemerkt hat, dass er zu weit gegangen ist, vielleicht auf Vermittlung der Mutter oder ganz einfach, weil ihn die Schuldgefühle am Einschlafen hindern. Von der Tür aus hört er leises Schluchzen.

Der Vater setzt sich zu seinem Sohn auf die Bettkante und sagt:

„Tut mir leid, dass ich dich angeschrien habe, Ernesto. Aber es ist zwei Uhr nachts, alle schlafen, die Geschäfte haben geschlossen … Hätte das nicht Zeit bis morgen gehabt?“

„Doch, Papa“, antwortet der Junge schniefend.

Der Vater holt sein Portemonnaie und nimmt einen Fünf-Peso-Schein heraus. Er legt ihn auf den Nachttisch und sagt:

„Hier hast du das Geld, um das du mich gebeten hast.“

Der Junge wischt sich die Tränen am Bettlaken ab, klettert aus dem Bett und läuft zum Kleiderschrank. Er nimmt eine Dose heraus, fischt ein paar Münzen und Ein-Peso-Scheine heraus, tut die fünf Pesos dazu und zählt mit den Fingern ab, wie viel Geld er hat.

Dann nimmt er das Geld und legt es neben seinen Vater, der ihn lächelnd ansieht, aufs Bett.

„Jetzt reicht es“, sagt Ernesto. „Neun Pesos und fünfzig Centavos.“

„Sehr schön, mein Junge. Und was machst du mit dem Geld?“

„Verkaufst du mir eine Stunde von deiner Zeit, Papa?“

 

Quelle: Das Buch der Begegnung von Jorge Bucay

Der/Die Nächste bitte…

Wenn heute von Partnerschaft und Liebe gesprochen wird, kommt das Wort „Romantik“ nicht mehr so oft vor. Vielleicht, weil die Menschen nicht mehr so viel Zeit haben, dem Idealbild der romantischen Liebe zu folgen, vielleicht auch, weil sich Beziehungen und Partnerschaft stark verändern. Was bedeuten nachhaltige, tiefe Gefühle noch in einer Zeit, in der „Beziehungsstatus“ mehr zählt, man per „What’s App“ Schluss machen kann oder es Plattformen gibt, auf denen man in Sekundenschnelle entscheidet, ob ein Mensch den eigenen Attraktivitätstest besteht oder nicht – fast wie in der Werbung für Küchenrollen – „Wisch&Weg“.

Vielleicht kennen Sie auch den deutschen Sänger Johannes Oerding und seine Liedzeile:

Love, love, love – love me tinder;

Ich will doch nicht heiraten, ich will doch keine Kinder

Offenbar prägen diese Vorstellungen heute weitgehend das Rollenverhalten in Partnerschaften. Die israelische Soziologin Eva Illouz hat darüber ein Buch geschrieben („Warum Liebe endet“) und man könnte fast meinen, da geht es nicht nur um die individuelle Aussage, warum die Liebe zwischen (2) bestimmten Menschen endet, sondern allgemein, warum DIE LIEBE endet. Im Standard vom 9.2.2019 wird das Buch besprochen und es geht vor allem um folgende Aussage:

„In der Welt der vernetzten Moderne sind der Zusammenbruch der sozialen Beziehungen und des gesellschaftlichen Zusammenhalts stark mit dem Wachstum sozialer Netzwerke, mit Technologie und Konsum verbunden.“

Mit anderen Worten: die Technologien, die wir verwenden, die sozialen Medien, die Möglichkeit, mehr als 500 Freunde auf einer Plattform zu haben und dort auch Beziehungspartner zu finden, macht uns im Endeffekt zu Menschen, die weniger sozial sind und die weniger auf einer tiefen Ebene miteinander interagieren – bei aller Intensität des oberflächlichen Kontakts. Letztlich werden wir also alle einsamer, während wir da so vor unseren Smartphones sitzen und auf einen Bildschirm starren statt auf unser Gegenüber.

Eva Illouz beschreibt auch die Auswirkungen auf die Menschen. In einer Gesellschaft, in der das Scheitern von Partnerschaften noch immer als persönliches Versagen gilt, gibt es zwei Effekte: zum einen jenen, dass Menschen sich zurückziehen und immer weniger bereit sind, sich auf eine Partnerschaft tief einzulassen, sondern rein Unverbindliches und Oberflächliches suchen (und auch leicht finden), zum anderen den Effekt, dass es Menschen gibt, die „Opfer des kapitalisierten Liebesmarktes“ sind. Diese gehen in die Beratung, um etwas für die Wiederherstellung ihres Selbstwertgefühls zu tun.

In meiner Praxis erlebe ich so manche Paare, die die Phasen der Entfremdung durchgemacht haben und den Weg zueinander wieder suchen. In diesem Fall aber auch bei jenen, die sich nur oberflächliche Bindungen vorstellen können, gilt wie immer, dass Liebe Arbeit ist. Eine Arbeit, die erfordert, sich mit dem anderen Menschen zu beschäftigen, sich selbst zu hinterfragen und gegebenenfalls auch zu ändern. Keine noch so effiziente Applikation hat verdient, dass wir andere Menschen nach dem „Wisch&Weg“ Prinzip kategorisieren. Es würde wohl auch kaum jemand das von sich selbst wollen.

Vielleicht fragen Sie sich einmal: wann haben Sie zuletzt mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin ein langes und tiefes Gespräch über Ziele, Werte, Zusammenhalt und Liebe geführt? Schon lange her? Und dann fragen Sie sich doch, ob eine Social Media oder Dating-Plattform das ersetzen kann.

Liebe ist kein Zustand, sondern eine Aktivität

Studien zeigen, dass ein Paar pro Tag meist nur 2-5 Minuten über Persönliches spricht. Der Rest ist gefüllt mit Organisatorischem, Informationen, manchmal auch streiten, etc.

Wie ist das in Ihrer Beziehung?

Achten Sie heute einmal ganz genau auf den Inhalt der Kommunikation mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner.

Liebe ist kein Zustand, sondern eine Aktivität. Kommunikation ist eine Form von Aktivität. Nehmen Sie es in die Hand, Ihre Beziehung gemeinsam zu gestalten.

Es ist der Abstand, der denken und handeln lässt…

Ein Paar – es ist gescheitert in seinen Vorstellungen gemeinsamer Liebe und gemeinsamer Harmonie. Heute werfen sie sich wechselseitiges Liebesversagen vor. Das ist, ohne Zweifel, belastend.

Wie würde dieses Paar agieren, wenn es von Problemen anderer hört? Wahrscheinlich hätten sie da einige Tipps?

Warum können wir bei anderen eher helfen, als in der eigenen Sache?

Es ist der Abstand, der denken und handeln lässt.

Mitunter kann es entlastend sein, wenn unser Paar versucht, ihre Probleme so zu betrachten, als seien sie denen eines Managers vergleichbar, der Mitarbeiter führen muss.

Keine einfache Sache, aber vielleicht einmal ein ganz neuer Ansatz?

Wie geht – wenn überhaupt – ewige Liebe?

In einem früheren Newsletter habe ich darüber geschrieben, welche Tipps es für Trennungen gibt. Auf der anderen Seite sehnen wir uns doch aber auch alle nach Liebe, nach Begegnung, nach Beziehung und geliebt werden. Einige wünschen sich das sogar für immer und vom selben Menschen. Kann das gelingen? Gibt es ein Rezept für das große Ideal einer Partnerschaft für die Ewigkeit?

Wie soll diese Liebe sein? Vielleicht so wie Annett Louisan in ihrem Lied „Das Rezept“ beschreibt, in dem Sie vom 75jährigen Paul und seiner Frau Agathe Schramm singt:

Wenn man genau hinsieht, dann grinst sie
weil sie ihn noch immer mag
und das seit 55 Jahren
und das bis zum letzten Tag

Und manchmal frag ich mich wie oft
wie oft verliebt man sich und doch geht man getrennt und mit dem Herz das brennt alleine weiter
Ich frag mich wie man so zu zweit für alle Zeit, die Ewigkeit, einander treu und trotzdem frei sein kann

Ich frag mich
wie kriegt man’s hin, das sowas geht
wo ist das Buch, in dem das steht
Was ist die Zutat, das Rezept
dieses geheimnisvolle Kraut
wo kommt das her, ich will das auch

 

Partnerschaft hat heute einen Stellenwert erreicht, bei der es um die Liebe um ihrer selbst willen geht. Heiraten und Zusammensein geht heute unabhängig von Stand, Ansehen und gesellschaftlichen Normen. Es gilt das Ziel der Verwirklichung der romantischen Liebe und viele Menschen versuchen daraus, das Fest ihres Lebens zu machen.

In einer Titelgeschichte des Spiegel (Nr. 28/2018) wird dazu Eva Illouz zitiert, die meint, dass es bei der erwiderten romantischen Liebe viel um den Selbstwert des Menschen geht. Jeder Mensch kann sein Wesen und seine Rolle täglich ändern und neu bestimmen. Und da kommt die Liebe gelegen, denn wenn ein Mensch beschließt, das ganze Leben mit einem anderen zu teilen, ist das doch die höchste Form der Wertschätzung. Die Liebenden bestätigen einander ihre Einzigartigkeit und ihren Wert – eine wunderbare Vorstellung.

Die Wissenschaft hat auch herausgefunden, dass stabile Partnerschaften gut sind für eine stabile Gesellschaft. Ansonsten gibt es auch viele Erklärungsgründe für stabile Partnerschaften

  • Die Hormone Vasopressin und Oxytocin schaffen in unseren Gehirnen das Gefühl von Nähe und Vertrautheit – gut für stabile Partnerschaften.
  • Aus wirtschaftlicher Sicht geben stabile Partnerschaften „Werte“ und „Güter“, die niemand alleine herstellen und den Nutzen daraus ziehen kann, z.B. den vom Partner gebackenen Geburtstagskuchen.
  • Der Umgang miteinander auf Augenhöhe in einer gleichberechtigten Partnerschaft

Noch mehr erforscht sind die Gründe für das Scheitern von Partnerschaften, z.B. die Konzentration auf die Kinder (Elternebene) und das Vernachlässigen der Paarebene, getrenntes Wohnen oder zu hohe Erwartungen an den Partner und die Partnerschaft.

Letztendlich hat aber jedes Paar sein „Geheimnis“ des Glücks und der ewigen Liebe und deshalb kann ich Ihnen kein allgemein gültiges Rezept bieten, aber hoffentlich viele Anregungen für ein langes, gemeinsames, harmonisches und zufriedenes Leben.

Ich persönlich vertrete die Ansicht, dass gegenseitige Wertschätzung, der Versuch, die Welt mit den Augen des/der Partner/in zu sehen (was wahrscheinlich der schwierigste Part ist), Ehrlichkeit, Vertrauen und offene wie auch wertschätzende Kommunikation wesentliche Helferleins für eine gute Beziehung sind.

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