COPALA / Dr. Natascha Freund

Coaching & Recht

Schlagwort: Liebe

Der/Die Nächste bitte…

Wenn heute von Partnerschaft und Liebe gesprochen wird, kommt das Wort „Romantik“ nicht mehr so oft vor. Vielleicht, weil die Menschen nicht mehr so viel Zeit haben, dem Idealbild der romantischen Liebe zu folgen, vielleicht auch, weil sich Beziehungen und Partnerschaft stark verändern. Was bedeuten nachhaltige, tiefe Gefühle noch in einer Zeit, in der „Beziehungsstatus“ mehr zählt, man per „What’s App“ Schluss machen kann oder es Plattformen gibt, auf denen man in Sekundenschnelle entscheidet, ob ein Mensch den eigenen Attraktivitätstest besteht oder nicht – fast wie in der Werbung für Küchenrollen – „Wisch&Weg“.

Vielleicht kennen Sie auch den deutschen Sänger Johannes Oerding und seine Liedzeile:

Love, love, love – love me tinder;

Ich will doch nicht heiraten, ich will doch keine Kinder

Offenbar prägen diese Vorstellungen heute weitgehend das Rollenverhalten in Partnerschaften. Die israelische Soziologin Eva Illouz hat darüber ein Buch geschrieben („Warum Liebe endet“) und man könnte fast meinen, da geht es nicht nur um die individuelle Aussage, warum die Liebe zwischen (2) bestimmten Menschen endet, sondern allgemein, warum DIE LIEBE endet. Im Standard vom 9.2.2019 wird das Buch besprochen und es geht vor allem um folgende Aussage:

„In der Welt der vernetzten Moderne sind der Zusammenbruch der sozialen Beziehungen und des gesellschaftlichen Zusammenhalts stark mit dem Wachstum sozialer Netzwerke, mit Technologie und Konsum verbunden.“

Mit anderen Worten: die Technologien, die wir verwenden, die sozialen Medien, die Möglichkeit, mehr als 500 Freunde auf einer Plattform zu haben und dort auch Beziehungspartner zu finden, macht uns im Endeffekt zu Menschen, die weniger sozial sind und die weniger auf einer tiefen Ebene miteinander interagieren – bei aller Intensität des oberflächlichen Kontakts. Letztlich werden wir also alle einsamer, während wir da so vor unseren Smartphones sitzen und auf einen Bildschirm starren statt auf unser Gegenüber.

Eva Illouz beschreibt auch die Auswirkungen auf die Menschen. In einer Gesellschaft, in der das Scheitern von Partnerschaften noch immer als persönliches Versagen gilt, gibt es zwei Effekte: zum einen jenen, dass Menschen sich zurückziehen und immer weniger bereit sind, sich auf eine Partnerschaft tief einzulassen, sondern rein Unverbindliches und Oberflächliches suchen (und auch leicht finden), zum anderen den Effekt, dass es Menschen gibt, die „Opfer des kapitalisierten Liebesmarktes“ sind. Diese gehen in die Beratung, um etwas für die Wiederherstellung ihres Selbstwertgefühls zu tun.

In meiner Praxis erlebe ich so manche Paare, die die Phasen der Entfremdung durchgemacht haben und den Weg zueinander wieder suchen. In diesem Fall aber auch bei jenen, die sich nur oberflächliche Bindungen vorstellen können, gilt wie immer, dass Liebe Arbeit ist. Eine Arbeit, die erfordert, sich mit dem anderen Menschen zu beschäftigen, sich selbst zu hinterfragen und gegebenenfalls auch zu ändern. Keine noch so effiziente Applikation hat verdient, dass wir andere Menschen nach dem „Wisch&Weg“ Prinzip kategorisieren. Es würde wohl auch kaum jemand das von sich selbst wollen.

Vielleicht fragen Sie sich einmal: wann haben Sie zuletzt mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin ein langes und tiefes Gespräch über Ziele, Werte, Zusammenhalt und Liebe geführt? Schon lange her? Und dann fragen Sie sich doch, ob eine Social Media oder Dating-Plattform das ersetzen kann.

Liebe ist kein Zustand, sondern eine Aktivität

Studien zeigen, dass ein Paar pro Tag meist nur 2-5 Minuten über Persönliches spricht. Der Rest ist gefüllt mit Organisatorischem, Informationen, manchmal auch streiten, etc.

Wie ist das in Ihrer Beziehung?

Achten Sie heute einmal ganz genau auf den Inhalt der Kommunikation mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner.

Liebe ist kein Zustand, sondern eine Aktivität. Kommunikation ist eine Form von Aktivität. Nehmen Sie es in die Hand, Ihre Beziehung gemeinsam zu gestalten.

Es ist der Abstand, der denken und handeln lässt…

Ein Paar – es ist gescheitert in seinen Vorstellungen gemeinsamer Liebe und gemeinsamer Harmonie. Heute werfen sie sich wechselseitiges Liebesversagen vor. Das ist, ohne Zweifel, belastend.

Wie würde dieses Paar agieren, wenn es von Problemen anderer hört? Wahrscheinlich hätten sie da einige Tipps?

Warum können wir bei anderen eher helfen, als in der eigenen Sache?

Es ist der Abstand, der denken und handeln lässt.

Mitunter kann es entlastend sein, wenn unser Paar versucht, ihre Probleme so zu betrachten, als seien sie denen eines Managers vergleichbar, der Mitarbeiter führen muss.

Keine einfache Sache, aber vielleicht einmal ein ganz neuer Ansatz?

Wie geht – wenn überhaupt – ewige Liebe?

In einem früheren Newsletter habe ich darüber geschrieben, welche Tipps es für Trennungen gibt. Auf der anderen Seite sehnen wir uns doch aber auch alle nach Liebe, nach Begegnung, nach Beziehung und geliebt werden. Einige wünschen sich das sogar für immer und vom selben Menschen. Kann das gelingen? Gibt es ein Rezept für das große Ideal einer Partnerschaft für die Ewigkeit?

Wie soll diese Liebe sein? Vielleicht so wie Annett Louisan in ihrem Lied „Das Rezept“ beschreibt, in dem Sie vom 75jährigen Paul und seiner Frau Agathe Schramm singt:

Wenn man genau hinsieht, dann grinst sie
weil sie ihn noch immer mag
und das seit 55 Jahren
und das bis zum letzten Tag

Und manchmal frag ich mich wie oft
wie oft verliebt man sich und doch geht man getrennt und mit dem Herz das brennt alleine weiter
Ich frag mich wie man so zu zweit für alle Zeit, die Ewigkeit, einander treu und trotzdem frei sein kann

Ich frag mich
wie kriegt man’s hin, das sowas geht
wo ist das Buch, in dem das steht
Was ist die Zutat, das Rezept
dieses geheimnisvolle Kraut
wo kommt das her, ich will das auch

 

Partnerschaft hat heute einen Stellenwert erreicht, bei der es um die Liebe um ihrer selbst willen geht. Heiraten und Zusammensein geht heute unabhängig von Stand, Ansehen und gesellschaftlichen Normen. Es gilt das Ziel der Verwirklichung der romantischen Liebe und viele Menschen versuchen daraus, das Fest ihres Lebens zu machen.

In einer Titelgeschichte des Spiegel (Nr. 28/2018) wird dazu Eva Illouz zitiert, die meint, dass es bei der erwiderten romantischen Liebe viel um den Selbstwert des Menschen geht. Jeder Mensch kann sein Wesen und seine Rolle täglich ändern und neu bestimmen. Und da kommt die Liebe gelegen, denn wenn ein Mensch beschließt, das ganze Leben mit einem anderen zu teilen, ist das doch die höchste Form der Wertschätzung. Die Liebenden bestätigen einander ihre Einzigartigkeit und ihren Wert – eine wunderbare Vorstellung.

Die Wissenschaft hat auch herausgefunden, dass stabile Partnerschaften gut sind für eine stabile Gesellschaft. Ansonsten gibt es auch viele Erklärungsgründe für stabile Partnerschaften

  • Die Hormone Vasopressin und Oxytocin schaffen in unseren Gehirnen das Gefühl von Nähe und Vertrautheit – gut für stabile Partnerschaften.
  • Aus wirtschaftlicher Sicht geben stabile Partnerschaften „Werte“ und „Güter“, die niemand alleine herstellen und den Nutzen daraus ziehen kann, z.B. den vom Partner gebackenen Geburtstagskuchen.
  • Der Umgang miteinander auf Augenhöhe in einer gleichberechtigten Partnerschaft

Noch mehr erforscht sind die Gründe für das Scheitern von Partnerschaften, z.B. die Konzentration auf die Kinder (Elternebene) und das Vernachlässigen der Paarebene, getrenntes Wohnen oder zu hohe Erwartungen an den Partner und die Partnerschaft.

Letztendlich hat aber jedes Paar sein „Geheimnis“ des Glücks und der ewigen Liebe und deshalb kann ich Ihnen kein allgemein gültiges Rezept bieten, aber hoffentlich viele Anregungen für ein langes, gemeinsames, harmonisches und zufriedenes Leben.

Ich persönlich vertrete die Ansicht, dass gegenseitige Wertschätzung, der Versuch, die Welt mit den Augen des/der Partner/in zu sehen (was wahrscheinlich der schwierigste Part ist), Ehrlichkeit, Vertrauen und offene wie auch wertschätzende Kommunikation wesentliche Helferleins für eine gute Beziehung sind.

Über die Gefühle oder was die Liebe braucht…

Es war einmal eine Insel, auf der alle Gefühle lebten:
Glücklichkeit, Traurigkeit, Wissen, und all die anderen, einschließlich der Liebe.

Eines Tages wurde den Gefühlen verkündet, dass die Insel sinken wird.
Darum bereiteten sie alle sich Boote und fuhren davon. Die Liebe war die Einzige, die blieb.

Die Liebe wollte bis zum letzten möglichen Moment auf der Insel verharren.
Als die Insel kurz vor dem Versinken stand, entschied sich die Liebe um Hilfe zu flehen.

Der Reichtum kam in einem gewaltigen Boot an der Liebe vorbei.
Die Liebe sprach, „Reichtum, kannst du mich mitnehmen?“
Doch der Reichtum antwortete, „Nein, kann ich nicht. Ich habe viel Gold und
Silber auf meinem Boot geladen, für dich ist kein Platz darauf.“

Also fragte die Liebe die Eitelkeit, die in einem
wundervollen Schiff vorbeifuhr, „Eitelkeit, bitte hilf mir!“
„Ich kann dir nicht helfen, Liebe. Du bist ganz nass und
könntest mein Boot beschädigen“, antwortete die Eitelkeit.

Die Traurigkeit war nahe und so fragte die Liebe
„Traurigkeit, lass mich mit dir gehen.“
„Oh…Liebe, ich bin so traurig, dass ich für mich alleine sein muss.“

Die Glücklichkeit segelte ebenfalls an der Liebe vorbei,
aber sie war so glücklich, dass sie nicht hörte, wie die Liebe sie rief.

Doch plötzlich war da eine Stimme,
„Komm, Liebe; ich werde dich mitnehmen“
Es war eine Weise. Die Liebe fühlte sich so selig und überglücklich,
dass sie sogar vergaß, die Weise nach ihrem Namen zu fragen.
Als sie am trockenen Land ankamen ging die Weise ihren eigenen Weg.

Die Liebe realisierte, wie sehr sie in der Schuld der Weisen stand,
und fragte das Wissen, welches auch ein Weiser war,
„Wissen, wer half mir?“

„Es war die Zeit“, antwortete das Wissen
„Die Zeit?“ fragte die Liebe. „Aber warum half mir die Zeit?“
Das Wissen grinste mit großer Weisheit und antwortete:
„Weil nur die Zeit imstande ist zu verstehen, wie großartig die Liebe ist.“

Quelle: http://www.eagle-vision-communication.de/Metaphern-Geschichten18_Wahre_Liebe_verstehen.htm