COPALA / Dr. Natascha Freund

Coaching & Recht

Schlagwort: Kommunikation (Seite 1 von 2)

Wir sind alle unterschiedlich…

Bedenken Sie stets, dass Ihre Partnerin/Ihr Partner in ihrem/seinen Leben andere Erfahrungen, als Sie gemacht hat. Andere Bezugspersonen, andere Regeln, andere vorgelebte Muster – das sind u.a. Grundlagen für unseren Charakter. Aufgrund der unterschiedlichen Erlebnisse/Erfahrungen, sind wir ALLE verschieden.

Das fällt am besten bei der Kommunikation auf. Es ist wichtig in der Kommunikation darauf zu achten, dass nicht alle Wörter und jedes Verhalten für alle Menschen die gleiche Bedeutung haben.

Bedenken Sie beispielsweise, wenn Ihre Frau zu Ihnen sagt „wir könnten vielleicht wieder einmal Essen gehen“ – so könnte das vielleicht auch heißen „Ich möchte (schon morgen) mit dir Essen gehen“….

Liebe ist kein Zustand, sondern eine Aktivität

Studien zeigen, dass ein Paar pro Tag meist nur 2-5 Minuten über Persönliches spricht. Der Rest ist gefüllt mit Organisatorischem, Informationen, manchmal auch streiten, etc.

Wie ist das in Ihrer Beziehung?

Achten Sie heute einmal ganz genau auf den Inhalt der Kommunikation mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner.

Liebe ist kein Zustand, sondern eine Aktivität. Kommunikation ist eine Form von Aktivität. Nehmen Sie es in die Hand, Ihre Beziehung gemeinsam zu gestalten.

Was wir hören wollen…

In einer Diskussion, einem Streit, neigen wir oft dazu, nur jene Dinge herauszuhören, die wir hören wollen. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Ellen Sillars (Universität von Montana) fand heraus, dass Frauen ihrem Gesprächspartner gegenüber mehr interpretieren als Männer dies tun. Frauen geht es vor allem um die Beziehung, wohingegen Männer eher bei der Sache bleiben. Ist damit eine Eskalation der Auseinandersetzung vorprogrammiert?

Der Psychologe und Beziehungsforscher John Gottma…n vertritt folgende Ansicht: „In a sea of conflict, men sink, women swim.“ – „In einem Meer von Konflikten gehen Männer unter, Frauen schwimmen.“ Er hat herausgefunden, dass Frauen deutlich häufiger als Männer Auseinandersetzungen beginnen und ihren Partner auffordern, sich darauf einzulassen. Männer hingegen reagieren darauf eher defensiv und wollen dem Konflikt ausweichen.

Warum Wertschätzung gerade bei „schwierigen“ Gesprächen so wichtig ist…

Letztens habe ich zufällig ein Gespräch von drei Arbeitskolleginnen mitgehört. Ziel dieses Gespräches war, sich gegenseitig konstruktive Kritik zugeben, um die derzeitige Situation zu verbessern. In der Realität aber wurde eine der drei Damen nur mit Vorwürfen überschüttet. Als sie sich dazu äußern wollte, wurde ihr der Satz entgegnet „du musst dich jetzt nicht rechtfertigen“.

Was ist dann passiert?

Keine der Damen hat der anderen mehr zugehört. Jede war mit der Kritik an den anderen beschäftigt und gleichzeitig mit der stillen Rechtfertigung des eigenen Verhaltens.

Kritik darf man äußern und bringt vermutlich weiter. Aber nennen wir es mal nicht Kritik, sondern ein Geschenk zum Wachstum. Und ein solches Geschenk kann man vielleicht leichter annehmen, wenn dem eine Wertschätzung vorangeht?!

Ich glaube, dass die drei Damen bestimmt auch einen positiven Beitrag geleistet haben. Wenn man dies zu Beginn des Gespräches gestellt hätte, wäre es mit der Kritik…Entschuldigung…mit dem Wachstumsgeschenk anders gelaufen….

Wie kommunizieren Sie miteinander in der Familie?

Liebe Leserinnen und Leser,

neulich im Zug von Wien Richtung Westen auf dem Weg in die Semesterferien…ich saß in dem Abteil mit vielen anderen Familien… somit war bis Tirol für 4 Stunden Unterhaltung gesorgt.

In der Reihe vor mir Familie Nr. 1:

Mutter, Oma und 4 Kinder (3 Buben ca. 16, 14 und 6 Jahre alt) und ein Mädchen (ca. 12 Jahre). Die Mutter organisiert, reicht Getränke und Brote. Die Kinder spielen abwechselnd miteinander (Karten), machen Hausübungen am Computer, reden miteinander oder lesen. Auch das Handy ist – maßvoll – im Einsatz. Die Kommunikation untereinander ist ruhig und das Verhältnis ist harmonisch.

In der Reihe hinter mir Familie Nr. 2:

Mutter, Vater und 3 Kinder (2  Mädchen – ca. 7 und 4 Jahre alt, 1 Bub – ca. 6 Jahre). Die Kinder brauchen Beschäftigung. Sie haben auch einiges dabei und ich meine, dass sie sich auch durchaus alleine bzw. gemeinsam zu beschäftigen wissen. Die Eltern sehen das anders. Papa meint, der Urlaub müsse damit beginnen, dass er die Zeit, die er sonst nicht so mit der Familie verbringt, in der ersten Stunde „aufgeholt“ werden muss. Er interveniert in das Spiel der Kinder, was zum Streit zwischen den Kids führt. Als Papa die 3 nicht mehr in Zaum halten kann, erscheint die bis dahin sehr ruhige Mutter auf der Bildfläche. Man merkt, wie genervt und auch erschöpft sie ist. Das spiegelt sich in der Kommunikation (nicht nur zwischen dem Paar – die Spannung war deutlich spürbar, sondern auch zwischen den Eltern und den Kindern) wieder:

  •  „Warum lässt du immer so viel auf den Boden fallen?“
  • „Ich kenne niemanden der tollpatschiger ist als du.“
  • „Hörst du mir überhaupt zu? Ich habe gesagt, jetzt gibt es Orangen, Pizza-Schnitte gibt es nachher.“
  • „Ich habe dir gestern gesagt, dass du das einpacken sollst. Dass es jetzt zu Hause liegt ist DEINE Schuld“
  • „Ich habe überhaupt keine Lust mit Euch auf Urlaub zu fahren.“

Es war ganz unterschiedlich, wie diese Worte auf die Kinder gewirkt haben. Eines hat sich verschlossen, ein anderes hat sich sichtbar gekränkt, beim dritten hätte man gar nicht mal angenommen, dass eine „Kommunikation“ stattfindet.

Ich habe mich gefragt, wenn die Eltern so etwas sagen, ob die Kinder dann nicht auch antworten könnten: „Also, wenn das so abläuft, möchte ich auch nicht mit euch auf Urlaub fahren.“ Gerne hätte ich sie dazu ermutigt…

Es ist nachvollziehbar, dass 4 Stunden Bahnfahrt für Kinder langweilig sein kann. Da braucht es Ablenkung und natürlich sind die Kinder auch mal laut und lebhaft. Dennoch: wird diese Form der Kommunikation den gewünschten Familienfrieden für die Urlaubszeit herstellen? Wie fühlen sich die Kinder dabei? Ist das eine wertschätzende Kommunikation?

Ob 2, 3 oder 4 Kinder, wie fordernd es auch sein mag – die Qualität des Familienlebens bemisst sich auch an der Art der Kommunikation. Eltern haben hier eine besondere Verantwortung. Der Ton macht die Musik.  Die Kunst besteht darin, auch in diesen Situationen eine wertschätzende Kommunikation zu führen. Niemand verlangt dabei Kunststücke, denn auch die Eltern dürfen erholungsbedürftig und erschöpft sein; dennoch wer mit seinen Kindern so wie oben bei Familie Nr. 2 beschrieben, kommuniziert, darf sich über  entsprechende Rückmeldungen in ein paar Jahren nicht wundern…

Mit wertschätzenden kommunikativen Grüßen

Natascha Freund

Ältere Beiträge