COPALA / Dr. Natascha Freund

Coaching & Recht

Schlagwort: Erfahrung (Seite 1 von 2)

Sorge dich nicht, lebe…länger

Erinnern Sie die ersten 4 Worte an etwas? Ja, manche haben das Buch von Dale Carnegie gelesen, das so heisst. Und ich habe das Wort „länger“ ergänzt. Warum?

Viele Medien haben darüber berichtet, dass Optimisten laut einer Studie länger leben. Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachmagazin der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften „PNAS“. Ausgewertet wurde die Krankengeschichte von älteren Personen und Kriegsveteranen. Gleichzeitig wurden diese per Fragebogen zu ihrer Lebenseinstellung befragt.

Die Studienteilnehmer hatten in Fragebögen angegeben, ob sie eher optimistisch oder pessimistisch sind. Die Forscher definierten Optimisten als Menschen, die daran glauben, dass gute Dinge passieren werden oder dass die Zukunft erstrebenswert ist, weil sie bestimmte Ziele erreichen können.

Die Forschergruppe fand heraus, dass Frauen in der besonders optimistischen Gruppe im Durchschnitt um 15 Prozent länger lebten, als jene in der pessimistischsten Gruppe. Bei optimistischen Männern betrug der Unterschied in der Lebenszeit elf Prozent.

Und es kommt noch besser, denn wir wünschen uns ja alle ein langes und gesundes (!) Leben. Die Chance, 85 oder älter zu werden, war bei der Gruppe der stärksten Optimistinnen um 50 Prozent größer als bei den stärksten Pessimistinnen. Bei den Männern betrug der Unterschied in der Studie 70 Prozent.

Ein bisschen Wasser muss ich aber auch in den Wein kippen: Die Studie kann nur zeigen, dass ein optimistisches Wesen häufig mit einer längeren Lebenserwartung einhergeht. Es lässt sich nicht ausschließen, dass die Gesünderen schon von Natur aus optimistischer sind. Und natürlich können schwere Erkrankungen nicht allein mit positiven Gedanken geheilt werden.

Man sieht dennoch: ein bisschen positive Psychologie kann helfen – und darum, wer sich weniger sorgt, lebt – im Durchschnitt – länger.

Quellen: Spiegel Online, abgerufen am 27.8.2019, Wiener Zeitung, 27.8.2019

Hilfe für die Starken

In unserer Gesellschaft denken wir oft daran, den Menschen zu helfen, die nicht gut für sich selbst sorgen können oder die Hilfe benötigen, weil sie in wirtschaftlicher, persönlicher oder seelischer Not sind. Da mutet es auf den ersten Blick merkwürdig an, wenn die Forschung behauptet, dass erfolgreiche und starke Menschen sich oft unsicher fühlen und Hilfe brauchen.

Das ist aber das Ergebnis der Forschungen der Professorin für klinische Psychologie Meg Jay, die sie in einem Interview im SPIEGEL (Nr. 45/2018) erklärt.

Starke Menschen sind oft solche, die Erfolg haben und mit den Widrigkeiten des Lebens gut umgehen können, die – wie man sagt – resilient sind. Diese Stärken kann aber sehr unterschiedliche Ursachen haben und Professorin Jey erklärt dies unter anderem damit, dass sich solche Menschen aus bedrückenden Erfahrungen der Kindheit (Trennung der Eltern, Übergriffe von Autoritätspersonen, früher Kontakt mit dem Tod in der Familie) eine „zweite Haut“ oder auch eine „falsche Identität“ angelegt haben. Um dem Problem auszuweichen oder damit umzugehen, suchen und finden sie Vermeidungsstrategien und entwickeln Stärken in Hobbies und im Beruf nach dem Motto: „Wenn ich zeige, dass ich stark bin und mit allem umgehen kann, dann verblasst auch die Erinnerung an die Erfahrung der Schwäche.“

Damit einher geht auch eine erhöhte Wachsamkeit. Als Kinder wittern solche Menschen überall Gefahren und sind in einem permanenten „Alert-Zustand“, der diesen Kindern und später auch den Menschen im Erwachsenen-Alter eine große Fähigkeit zur Sensibilität gibt, aber laut Professorin Jey auch seine Schattenseiten hat: „[Diese Kinder] passen sich maximal an und setzen alles daran, um nicht zu provozieren. Aber es schützt sie nur kurzfristig. Denn der Kampf gegen den Stress der Kindheit ist auch Stress, und dessen Folgen äußern sich oft erst im Erwachsenenalter.“

Die Erkenntnisse besagen, dass 75% der Menschen mit einer belastenden Kindheitserfahrung aufwachsen. Wer sich dieser später nicht stellt, ist in Gefahr, sich zu verleugnen. Sich dieser Erfahrung zu stellen und daran zu arbeiten, ist eine große Überwindung, Es ist aber auch der Schlüsse dazu, sich nicht perfekt der äußeren Welt anzupassen, sondern das Leben zu Leben und zu genießen.

In meiner Praxis sehe ich viele Menschen, denen es ähnlich geht. Menschen, die eigentlich stark sind, mit beiden Beinen im Leben stehen und das sind, was wir nach außen hin „erfolgreich“ nennen. Aber hinter diesem Erfolg stehen oft starke Schmerzen, große Überwindung und oft auch Einsamkeit. Resilienz ist gut, um im Sturm nicht umzufallen, aber auch starke Bäume brauchen ab und zu etwas halt und jemanden, der ihnen zuhört.

Entscheidungen im Leben

Weihnachten ist die Zeit des Innehaltens, des Rückblicks, die Zeit der Familie, die Zeit der Besinnlichkeit und auch die Zeit des Nachdenkens in Ruhe.

Wenn ich über das zu Ende gehende Jahr nachdenke, dann sehe ich viele Menschen, die in der Mitte ihres Lebens stehen und beladen sind. Nicht nur, weil es Sorgen um die wirtschaftliche Existenz oder die Gesundheit gibt, sondern weil es seelische Sorgen gibt, Weggabelungen an denen man steht. Was tun, wenn man mit den Eltern oder den Kindern in Unfrieden lebt, was tun, wenn eine Partnerschaft gescheitert scheint, was tun, wenn ein wichtiger und lieber Mensch verstorben ist?

Oft sehe ich diese Menschen in ihren Nöten und sie wirken müde und erschöpft. In ihrem Leben haben sie schon ein weites Stück zurückgelegt; sie wissen, dass es nicht mehr so einfach geht wie in jungen Jahren. Körper und Seele sind nicht mehr ganz jung, man nimmt den Aufzug und nicht die Treppe, man geht, wo man früher gelaufen ist.

Es gibt da diese Geschichte von John Streclecky, wie eine Frau in der U-Bahn einen alten Mann beobachtet, der auf einem Stock gebeugt langsam geht und die sich fragt, ob er in seinem Leben wohl all die Entscheidungen getroffen hat, die ihm wichtig waren und die Mut erfordert haben. Hat er den Beruf gewählt, der ihn interessiert hat, hat er die junge Frau angesprochen, die ihm damals so gefiel, hat er dort gelebt, wo er sich wohlfühlt. Und dann sagt sich diese Frau, dass sie hofft, dass er all diese Entscheidungen so getroffen hat, wie er sie sich gewünscht hat, denn nun im hohen Alter wäre es zu spät, Versäumtes nachzuholen.

Was ich beobachte ist, dass viele Menschen enttäuscht sind vom Leben, frustriert vom Alltag, belastet in menschlichen Beziehungen. Und auch wenn diese Menschen nicht mehr allzu jung sind, so ist doch noch genug Zeit und Kraft. Zwar sind unsere Möglichkeiten in der Mitte des Lebens nicht mehr unbegrenzt. Wer seine Chance sucht und sich etwas wünscht, wie es viele zu Weihnachten tun, der weiß, dass die Kraft und die Zeit dafür nicht unendlich lange vorhanden sein werden.

Daher: Wollen Sie Ihrem Leben eine neue Wendung geben? Wollen Sie etwas lernen? Wollen Sie einen Streit versöhnen? Dann nutzen und ergreifen sie Ihre Chancen und Ihre Möglichkeiten jetzt – wenn und so lange Sie es noch können.

 

Spruch der Woche (KW 42)

Wenn man einen Fehler mehr als einmal macht, ist es eine Entscheidung.

Paulo Coelho

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Kennen Sie das, Sie machen etwas einem andern zuliebe? Sie haben wirklich die besten Absichten. Doch dann stellt sich heraus:

Gut gemeint ist nicht gut gemacht.

Wenn wir für den anderen etwas machen, machen wir dies zumeist aus unserer Perspektive, dh wie wir es gerne haben würden. Wir dürfen uns aber ab und zu auch in die Perspektive des anderen versetzen, denn eine gut gemeinte Tat für uns, ist nicht immer eine Geschenk für den anderen.

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