COPALA / Dr. Natascha Freund

Coaching & Recht

Schlagwort: Partnerwahl

Für ein Leben lang…?

Wenn ein Paar heiratet, dann ist dies immer in der Hoffnung, dass diese Ehe ein Leben lang hält. Vor dem Hintergrund, dass laut Statistik Austria 2016 40,5% der Ehen geschieden wurden, darf/soll/muss man den Wunsch an „ein Leben lang“ überdenken?

In Deutschland gab es kurzfristig die Idee, dass Ehen für nur 7 Jahre gelten sollen. Nette Idee – und was passiert dann mit den Kindern? Dürfen sich diese in regelmäßigen Abständen an eine neue Familie gewöhnen?

„Projekt Kind“ – Co-Parenting und die Folgen

Vor einiger Zeit las ich im Spiegel einen Artikel unter dem Titel „Freunde sind die besseren Eltern“. Es ging dabei um das neue Modell des Co-Parenting, bei dem Freunde zu Eltern werden, in dem sie z.B. mittels Samenspende ein Kind gemeinsam haben und dieses betreuen. Sie sind weder miteinander verheiratet noch in einer Liebensbeziehung. Das Argument der Autoren war folgendes:

Das Leben heute ist schnell und stressig, die idealisierte Familienkonstellation (Mama, Papa, Kind(er)) gibt es immer seltener, Liebesbeziehungen sind flüchtig und schnell vorbei. Kinder in Partnerschaften zu bekommen ist daher eher ein „Problem“, denn eine Lösung – viel Risiko, viel Herzschmerz, wenn die Beziehung in die Brüche geht und am Ende ist man doch alleinerziehend. Da wäre es doch besser, Kinder mit Freunden zu haben – Freundschaften halten im Schnitt länger und geben Sicherheit und Stabilität.

So weit, so gut: das ist eine gute Beschreibung von Menschen, die gerne ein Kind wollen und es in den neuen Alltag der digitalen, schnelllebigen Welt integrieren möchten. Ein Kind, angepasst an die Bedürfnisse des modernen Menschen. Aber – ist das alles so positiv? Ich hätte da ein paar Fragen:

  • Auch Freunde können sich unterschiedlich entwickeln – was ist, wenn jeder seiner Wege geht? Auch wenn die Erwachsenen dann weniger „Herzschmerz“ spüren, weil es ja „nur“ ein Freund / eine Freundin ist, was spürt das Kind?
  • Wie organisiert man, wenn befreundete Eltern nebenher noch eine oder wechselnde Liebesbeziehungen haben? Was vermittelt man dem Kind, wenn Mamas Freund und Papas Freundin alle mal bei uns übernachten? Welche Werte geben wir diesen Kindern mit auf den Weg?
  • Und was passiert, wenn einer der befreundeten Eltern später in dieser Liebesbeziehung doch noch heiraten möchte und sich der neue Partner / die neue Partnerin dafür interessiert, auch eine Elternrolle einzunehmen, auch wenn es nicht sein / ihr biologisches Kind ist?

Wer mit wem die Elternrolle übernimmt, ist eben doch nicht so ganz egal. Betrachten wir das ganze aus der Sicht des Kindes, dann wissen wir aus der Imago-Theorie dass die ersten 6 Lebensjahre besonders prägend sind für das Kind sind – es geht um die Phasen der Bindung, der Exploration, der Kompetenz und der Identität. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, dass die Kinder spüren, dass es nicht nur eine stabile und feste Beziehung zum Kind gibt („Ich bin sicher und es ist gut zu sein“), sondern auch, dass die Bezugspersonen eine Beziehung zueinander haben. Wenn dort keine Liebe ist, sondern „nur Freundschaft“ kann das für die Entwicklung des Kindes auch kritisch sein. Wie stabil ist die Beziehung der Eltern? Gibt das genug Sicherheit und Bindung?

Wer also das Co-Parenting Modell realisieren möchte, sollte sich gut überlegen, ob er das Projekt Kind um des Kindes Willen oder um seiner / ihrer selbst Willen vorantreibt.

Selbstwert

Liebe Leserinnen und Leser,

die Studie „Transitions in Romanctic Relationships and Developments in Self-Esteem“ befasst sich mit der Frage des Selbstwertes, vor allem damit, welche Ereignisse dazu führen, dass manche Menschen besonders positive Veränderungen beim Selbstwertgefühl erleben, während bei anderen der Entwicklungsverlauf weniger positiv ist.

Ganz entscheidend für den Selbstwert sind die Erfahrungen in Partnerschaften.

Sowohl der Beginn einer Partnerschaft als auch eine Trennung beeinflussen das Selbstwertgefühl. Im Ergebnis steigerte sich der Selbstwert, wenn die Partnerschaft mindestens ein Jahr lang andauerte. Im Gegensatz dazu veränderte eine kurze Partnerschaft von geringer Beziehungsqualität das Selbstwertgefühl nicht.

Noch eine positive Nachricht: Das Ende einer Beziehung hatte keine langfristigen Auswirkungen auf den Selbstwert, d.h. im Allgemeinen führen Trennungen nur zu vorübergehenden Verringerungen im Selbstwertgefühl und erholt sich schnell wieder.

Daraus dürfen wir lernen, dass in unserer schnellen Zeit und der oft schwierigen Paarbeziehungen dennoch Menschen nicht an einem Verlust an Selbstwert leiden müssen, wenn eine längere Partnerschaft zerbricht. Man kommt wieder auf die Beine.

Da ich viele Menschen im Prozess der Trennung und Scheidung begleite, erlebe ich immer wieder auch das andere Bild. Menschen, die durch das Ende einer Partnerschaft seelisch angeschlagen sind und sehr oft wirtschaftlich in Not geraten. Hier kann eine unterstützende Beratung helfen, mit diesen Sorgen besser umzugehen und sich etwas Rückenwind für den Alltag zu holen.

Selbstwert bedeutet auch, sich selbst zu schätzen und auch bei einer gescheiterten Partnerschaft kann es wichtig sein, sich daran zu erinnern. Denn ist der Selbstwert stark, kann man auch leichter eine neue Beziehung eingehen.

Alle Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen. (Friedrich Nietzsche)

Mit selbstwertstärkenden Grüßen

Natascha Freund

Für Paare

Liebe Leserinnen und Leser,

in diesem Newsletter habe ich mich mit der Frage der Partnerwahl beschäftigt. Lassen Sie sich vom Titel aber nicht abschrecken, auch wenn Sie vielleicht „single“ sind. Ihre persönlichen Erkenntnisse aus der eigenen Analyse lassen sich auch bei der Wahl von Freundschaften anwenden.

Für Paare

Es gibt Hunderte von Theorien über das menschliche Partnerwahlverhalten. Während die einen davon ausgehen, dass man grundsätzlich immer das Gegenteilige zu einem selbst sucht („Gegensätze ziehen sich an“), meinen andere beispielsweise, dass wir in dem Partner jene Eigenschaften suchen, die wir selbst schon erfahren haben, beispielsweise durch die Mutter, den Vater oder sonstige bisherige Wegbegleiter („Gleich und gleich gesellt sich gern“).

Beim ersten Eindruck kann es wichtig sein, welchen sozialen Rang der oder die mögliche Partnerin in Bezug auf die Attraktivität der Berufe hat. Hinzu kommt auch der Bildungsstand, die materiellen Besitzgüter, die Art des Kontakts zu anderen Menschen, der reale Altersunterschied und aber auch wie wir sie oder ihn erleben. Forschungen über das Wahlverhalten in Bezug auf Partner haben herausgefunden, dass in diesen äußeren Merkmalsbereichen eine hohe Übereinstimmung gesucht wird und diese wahrscheinlich auch eine Bedingung für das längerfristige Gelingen einer Partnerschaft ist.

Bei der Wahl unserer Partner können wir bestimmte Muster erkennen, nach denen wir schon einmal ein Misslingen erfahren haben. Bernhad Macz unterscheidet ins einem Buch „Rituale alltäglichen Glücks“ folgende Gruppen:

  1. Sicherheitswahl: Sie wählen einen Partner, bei dem Sie sicher sein können, dass er Sie nie verlassen wird. – „Er/Sie bekommt sowieso keine(n) andere(n).“
  2. Überlegenheitswahl: Sie wählen einen Partner, der von vorn herein so überlegen ist, dass durch diese Ungleichheit ein Verlassen werden sehr wahrscheinlich ist. Das Interessante daran ist, dass selbst wenn das Endergebnis, welches schmerzhaft und tragisch ist doch auch als lustvoll erlebt werden kann.  – „Ich hab es ja gewusst, dass er/sie mich verlassen wird.“
  3. Ähnlichkeitswahlen: Sie wählen einen Partner, der mit Ihnen oder einem Elternteil eine große Ähnlichkeit aufweist, so dass eine freie Entwicklung sehr unwahrscheinlich ist.
  4. Unterschiedlichkeitswahlen: Der Unterschied zwischen den eigenen Mustern und jenen des Partners ist so groß, dass eine Verständigung nicht möglich scheint und somit ein Scheitern vorprogrammiert ist.

 Egal nach welchen Kriterien Sie ihren Partner wählen, seien Sie sich bewusst, dass Lebewesen nie vollkommen zueinander passen. Zueinanderpassen ist kein endgültiger Zustand. Vielmehr ist es ein Prozess der Annäherung. Es kann auch nicht von vorn herein gesagt werden, dass Verschiedenheit eine feste Beziehung unmöglich macht. Es kann aber vielleicht festgestellt werden, dass Gegensatzpartner mehr in ihrer Beziehung arbeiten müssen als andere.

 Vielleicht wollen Sie folgende Übung ausprobieren:

  • Wie und nach welchen Kriterien habe ich meinen letzten Partner ausgewählt?
  • Waren mir meine Wahlkriterien bewusst?
  • Welches sind mir die wichtigsten Gesichtspunkte bei der Partnerwahl?
  • Abschließend fragen Sie sich doch wie viel Übereinstimmung Sie selbst brauchen, suchen Sie eher einen Gegensatzpartner oder eher einen Übereinstimmungspartner und nehmen Sie sich ernst bei Ihren eigenen Bedürfnissen?

 In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim „Analysieren“.

 Herzlichst,

Natascha Freund