Schlagwort: Zum Nachdenken (Seite 1 von 13)

Weihnachtsnewsletter

Liebe Lesende,

zu Weihnachten präsentiere ich Ihnen immer gerne eine Geschichte. In diesem Jahr möchte ich Ihnen eine wahre Geschichte, ein Erlebnis anbieten:

Gegenwärtig mache ich, im Zuge meiner Ausbildung zur Psychotherapeutin, ein Praktikum in einem Altenheim. Ich arbeite mit Bewohner zwischen 60 und 96 Jahren.

Da gibt es eine Dame, die die Liebe des Kurfürsten ist und sich einerseits sorgt und andererseits ängstigt vor dem Neid der anderen. Sie ist dement. Wenn immer ich sie besuche, erzählt sie mir Neuigkeiten, die sich am Hofe zutragen. Sie ist bereits seit Jahren krank, kann nur im Bett liegen und wird mit einer Magensonde ernährt. Ihre Geschichten sind einerseits erheiternd und andererseits hört man ihre Not. So hat sie mir letztens ihre Freundin vorgestellt…es ist die Uhr. Es hängt tatsächlich eine Uhr in ihrem Blickfeld. Doch in der Nacht kann sie die Zeiger nicht sehen und das macht ihr Angst.

Eine andere Bewohnerin, die 97 Jahre alt ist, erzählt mir von ihrem ersten Mann. Ihre Augen leuchten, wenn sie mir immer und immer wieder vom Kennenlernen bis zur Hochzeit erzählt. Dann wird sie traurig, denn ihr Liebster ist im Krieg gefallen. Sie hat noch einmal geheiratet und hat mit dem zweiten Mann viele schöne Jahre verbracht. Sie hat aber nur vom ersten Mann Fotos aufgestellt. Diese Frau ist ausschließlich in ihrer Wohnung und nur ab und zu auf fremde Hilfe angewiesen. Sie ist geistig und auch körperlich altersentsprechend fit, keine Spur von Demenz. Was sie braucht – jemand der regelmäßig zu ihr kommt und ihr zuhört, wenn sie erzählt.

Auch möchte ich Ihnen noch jene Bewohnerin vorstellen, die es bisher nicht gewohnt war, alleine zu sein. Sie hat ihr Leben mit ihrem Mann und ihren 5 Kindern verbracht. Jetzt ist sie alleine in ihrem Zimmer. Besonders am Abend überkommt sie die Traurigkeit. Sie nennt es „…und dann öffnet sich regelmäßig der Wasserhahn…“ und signalisiert mir Tränen. Und trotz aller Schwere lächelt sie, zwinkert mit den Augen und fragt, was ich am Abend kochen werde. Sie isst so gerne…

Ein weiterer Bewohner hat mich persönlich sehr berührt. Der Mann sitzt im Rollstuhl, bewohnt ebenfalls ein Zimmer für sich alleine. Ich habe ihn besucht und zu einer wöchentlichen Gruppenübung, dem „Denksport“, abgeholt. Er sprach nicht viel, wirkte auf mich sehr bestimmt und ebenso traurig. Letzte Woche ist er verstorben…

Was möchte ich mit all diesen Geschichten mitgeben? Unser Leben ist endlich. Es ist so wichtig im Hier und Jetzt zu leben und das Leben zu genießen.

„Zeit“ – in welcher Form auch immer – ist einst und heute eines der persönlichsten Geschenke – zu Weihnachten, zum Geburtstag oder auch einfach mal so.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein ruhiges Weihnachten mit viel Zeit.

Höher, weiter, schneller, schöner, fitter

Die „Selbstoptimierung“ ist schon ein eigener kleiner Forschungszweig der Psychologie geworden. Und dabei geht es nicht nur um die Optimierung im beruflichen Umfeld, um möglichst flexibel und leistungsfähig dazustehen, sondern auch in der Freizeit.

„Die bestmögliche Entspannung gehört zum Programm wie der nächste Karriereschritt“ wird Georg Juckel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychatrie und Psychotherapie an der Universität Bochum zitiert. Sport, Coaching und Schönheits-Operationen – das sind wachsende Märkte. Offenbar entgleitet uns immer mehr die Möglichkeit, zufrieden zu sein – wir streben nach mehr. Was in einer leistungsorientierten Gesellschaft oft als Antrieb zur Weiterentwicklung gilt, droht sich langsam als Schraube zu überdrehen – es bedeutet mehr Stress, Leistungsdruck und schadet der Gesundheit mehr als es nützt. Bekanntermaßen ist punktueller Stress als Leistungsanforderung durchaus in Ordnung, wird das zum Dauerzustand kann es schnell ins Negative kippen.

Ein wesentlicher Grund dieser Entwicklung ist die Schnelllebigkeit der Zeit, vor allem die rasche Verfügbarkeit von Informationen über Rekorde und Höchstleistungen. Umgeben von all diesen Meldungen baut sich ein Druck auf und überträgt sich der Gedanke des „Ich muss besser werden“ auf den Beobachter.

Kann man aus diesem Hamsterrad aussteigen? Der Artikel empfiehlt 5 Ideen zum Ausstieg aus der Selbstoptimierungsfalls:

  1. Neue Perspektiven einnehmen und andere Blickwinkel zulassen
  2. Eine ausgewogene Mischung des Lebensgefühls – auch mal dorthin gehen, wo wir sein können, wie wir sind und nicht nur an der Leistung gemessen werden
  3. Selbsterkenntnis trainieren um zu erkennen, was einem fehlt und wie man sich das evtl. selbst geben kann
  4. Ein stimmiges Lebensgefühl anstreben, auch das Positive sehen
  5. Gesund leben

Und ich füge aus meiner Praxis noch den Tipp hinzu

  • Bewusstes Loslassen, d.h. Antriebe, Motive und Druck analysieren und sich bewusst fragen:
    • „muss“ ich diesem Druck jetzt nachkommen?
    • was passiert, wenn ich das jetzt nicht mache?

Sich selbst zu kennen, hilft schon enorm weiter, dann braucht man weniger die Bestätigung durch Geräte und Maschinen, auch wenn sie heute dazugehören. Und vielleicht geht es einem dann wie Tim Bendzko in seinem Lied „Beste Version“:

Hab mich in allen Varianten ausprobiert
Mich bis ins letzte Detail optimiert
Das ist schon die beste Version von mir

 

Quelle und Inspiration: Spiegel Nr. 2 / 2020 mit der Titelgeschichte „Mein bestes Ich“.

Stillstand…

Wer sich verändert, zahlt einen Preis. Wer sich nicht verändert auch.

Gibt es (noch) gemeinsame Werte?

Eine gemeinsame Werteebene ist wichtig für eine Beziehung.

  • Welche Werte sind für Sie wichtig?
  • Welche Werte sind für Ihren Partner/Ihrer Partnerin wichtig?
  • Gibt es gemeinsame Werte?
  • Welche Werte ergänzen sich möglicherweise?

Gemeinsamer Rhythmus?

In einer Beziehung darf jeder seinen Weg gehen. Wie gestalten Sie den Rhythmus von Nähe und Distanz, von Verschmelzung und Abgrenzung? Gibt es hier gemeinsame Musik oder spielen Sie in getrennten Orchestern?

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