COPALA / Dr. Natascha Freund

Coaching & Recht

Kategorie: Coaching (Seite 1 von 24)

Wie wollen wir nach der Hochzeit heißen?

Im Standard erschien Ende Mai 2019 ein Artikel über die Wahl des Ehenamens. Seit den verschiedenen Reformen des Ehe- und Namensrechts sind die Möglichkeiten und Varianten gestiegen, wie ein Paar nach der Eheschließung heißen kann (siehe hierzu auch den Beitrag zum Namensrecht).

Im „traditionellen“ Familienbild sieht man noch immer, dass die Frau den Namen des Mannes annimmt (ca. 75%), aber auch der umgekehrte Fall gewinnt an Bedeutung. Und bei gleichgeschlechtlichen Ehen ergeben sich ganz neue Tendenzen.

(Nicht nur) in Österreich hat man folgende Tendenzen zu den Motiven der Namenswahl ausgemacht:

  • „Mein Name gehört für mich zu meiner Identität“: mit dieser Aussage begründen viele, dass Sie trotz der Ehe mit einem anderen Menschen, ihren Namen behalten, weil dieser für ihr bisheriges Leben, ihre Entwicklung und ihre heutige Position prägend war.
  • „Gleichberechtigung“: das Rollenverständnis von Partnern hat sich gewandelt: Erst Mitte der 1970er-Jahre konnte z.B. in Österreich der Name der Frau als Familienname geführt werden. Die Nutzung dieser Option gewinnt an Bedeutung und zeigt nach außen, dass die Partner gleichberechtigt sind.
  • „Gesellschaftliche Akzeptanz“: Wie wird das Umfeld auf die Namenswahl reagieren? Laut Standard gilt: „Paare, die sich gegen die Tradition entscheiden, kommen in Erklärungsnot. Laut einer US-Studie gelten Frauen, die ihren Namen behalten, als selbstbezogen. Und ihre Gatten werden als unmännlicher wahrgenommen, weil sie sich nicht gegen die Ehefrau durchsetzen konnten.“
  • „Zusammengehörigkeit“: ein Motiv für einen gemeinsamen Namen kann auch sein, dass man nach außen zeigen möchte: wir sind ein Paar. Wir (und unsere Kinder) tragen denselben Namen.
  • „Beruflicher Status“: jeder Partner hat sich einen „Namen gemacht“. Warum soll man dies in Frage stellen, nur weil man heiratet.
  • „Telling names“: manche Menschen haben Nachnamen, die besonders wohlklingend sind, andere solche, die man schwer versteht, oft falsch schreibt oder buchstabieren muss. Da liegt das Beibehalten oder wechseln des Nachnamens auch nahe.

Und wie halten Sie es? Wie sind Sie bei der Namenswahl vorgegangen? War es die Qual der Wahl oder ganz einfach?

Wie Sie es machen, ist es okay und ganz alleine ihre Entscheidung. Es muss für Sie in der Situation, in der Sie heiraten stimmig sein.

Vergessen Sie bei allen Grübeln über den Nachnamen nicht, dass Sie sich gegenseitig mit Ihren Vornamen ansprechen – welche Rolle spielt der Nachname damit zwischen Ihnen beiden?

Der/Die Nächste bitte…

Wenn heute von Partnerschaft und Liebe gesprochen wird, kommt das Wort „Romantik“ nicht mehr so oft vor. Vielleicht, weil die Menschen nicht mehr so viel Zeit haben, dem Idealbild der romantischen Liebe zu folgen, vielleicht auch, weil sich Beziehungen und Partnerschaft stark verändern. Was bedeuten nachhaltige, tiefe Gefühle noch in einer Zeit, in der „Beziehungsstatus“ mehr zählt, man per „What’s App“ Schluss machen kann oder es Plattformen gibt, auf denen man in Sekundenschnelle entscheidet, ob ein Mensch den eigenen Attraktivitätstest besteht oder nicht – fast wie in der Werbung für Küchenrollen – „Wisch&Weg“.

Vielleicht kennen Sie auch den deutschen Sänger Johannes Oerding und seine Liedzeile:

Love, love, love – love me tinder;

Ich will doch nicht heiraten, ich will doch keine Kinder

Offenbar prägen diese Vorstellungen heute weitgehend das Rollenverhalten in Partnerschaften. Die israelische Soziologin Eva Illouz hat darüber ein Buch geschrieben („Warum Liebe endet“) und man könnte fast meinen, da geht es nicht nur um die individuelle Aussage, warum die Liebe zwischen (2) bestimmten Menschen endet, sondern allgemein, warum DIE LIEBE endet. Im Standard vom 9.2.2019 wird das Buch besprochen und es geht vor allem um folgende Aussage:

„In der Welt der vernetzten Moderne sind der Zusammenbruch der sozialen Beziehungen und des gesellschaftlichen Zusammenhalts stark mit dem Wachstum sozialer Netzwerke, mit Technologie und Konsum verbunden.“

Mit anderen Worten: die Technologien, die wir verwenden, die sozialen Medien, die Möglichkeit, mehr als 500 Freunde auf einer Plattform zu haben und dort auch Beziehungspartner zu finden, macht uns im Endeffekt zu Menschen, die weniger sozial sind und die weniger auf einer tiefen Ebene miteinander interagieren – bei aller Intensität des oberflächlichen Kontakts. Letztlich werden wir also alle einsamer, während wir da so vor unseren Smartphones sitzen und auf einen Bildschirm starren statt auf unser Gegenüber.

Eva Illouz beschreibt auch die Auswirkungen auf die Menschen. In einer Gesellschaft, in der das Scheitern von Partnerschaften noch immer als persönliches Versagen gilt, gibt es zwei Effekte: zum einen jenen, dass Menschen sich zurückziehen und immer weniger bereit sind, sich auf eine Partnerschaft tief einzulassen, sondern rein Unverbindliches und Oberflächliches suchen (und auch leicht finden), zum anderen den Effekt, dass es Menschen gibt, die „Opfer des kapitalisierten Liebesmarktes“ sind. Diese gehen in die Beratung, um etwas für die Wiederherstellung ihres Selbstwertgefühls zu tun.

In meiner Praxis erlebe ich so manche Paare, die die Phasen der Entfremdung durchgemacht haben und den Weg zueinander wieder suchen. In diesem Fall aber auch bei jenen, die sich nur oberflächliche Bindungen vorstellen können, gilt wie immer, dass Liebe Arbeit ist. Eine Arbeit, die erfordert, sich mit dem anderen Menschen zu beschäftigen, sich selbst zu hinterfragen und gegebenenfalls auch zu ändern. Keine noch so effiziente Applikation hat verdient, dass wir andere Menschen nach dem „Wisch&Weg“ Prinzip kategorisieren. Es würde wohl auch kaum jemand das von sich selbst wollen.

Vielleicht fragen Sie sich einmal: wann haben Sie zuletzt mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin ein langes und tiefes Gespräch über Ziele, Werte, Zusammenhalt und Liebe geführt? Schon lange her? Und dann fragen Sie sich doch, ob eine Social Media oder Dating-Plattform das ersetzen kann.

Eltern sind auch nur Menschen

Vor einiger Zeit las ich bei bento.de den Artikel „Eltern sind auch nur Menschen und Menschen sind nicht perfekt“. Es ging darum, was Kinder aus den Beziehungen ihrer Eltern gelernt haben. Kernpunkt waren die Muster, die die Eltern vorgelebt haben und deren Auswirkungen auf das eigene Partnerschaftsverhalten.  Haben die Eltern viel gestritten und hat sich diese Atmosphäre in das eigene Leben verlagert oder haben sie wie Pech und Schwefel zusammengehalten oder haben die Eltern aufgegeben und neue Partner gefunden.

Mittlerweile erwachsene Kinder wurden interviewt zu den Beziehungsmustern ihrer Eltern und es gab folgende Ergebnisse:

  • Die meisten Kinder akzeptierten die Entscheidungen ihrer Eltern und den eingeschlagenen Weg nach dem Motto: Lass sie mal machen.
  • Viele Kinder zeigen einen reflektierten Abstand, der darauf hinausläuft, das Partnermodell der Eltern zu akzeptieren, es aber nicht zum Muster des eigenen Lebens zu machen.
  • Die heutige Generation der 25-35jährigen lehnt Partnerschaftsmodelle ab, bei denen man sich in die Abhängigkeit eines anderen Menschen begibt, sowohl emotional als auch wirtschaftlich.

Besonders beeindruckt haben mich zwei Aussagen, die ich in meiner Praxis auch immer in Beratungen einfließen lasse, und bei denen es um Authentizität und Arbeit geht:

Die 31jährige Marlene schrieb über ihre Eltern: „Egal, welche kleinen Schwächen der Partner oder die Partnerin hat, am Ende geht es darum, dass man sich aufeinander verlassen kann. Einfach so sein kann, wie man will, ohne sich verstellen zu müssen. Und dass man viele Sachen miteinander teilt: Sei es, die gleiche Platte aufzulegen, den gleichen Berg zu erklimmen, den gleichen Rotwein zu trinken oder gemeinsam neben dem halbvollen Glas auf dem Sofa einzuschlafen.“

Und  Alex, 21, schrieb: „Die beiden haben mir gezeigt, dass Liebe nur ein Teil einer funktionierenden Beziehung ist. Denn eine Beziehung ist auch Arbeit und benötigt immer wieder eine neue Willensentscheidung. Denn wir müssen in Beziehungen zurückstecken, auf den Anderen achten – ohne dabei uns selbst zu vergessen. Trotzdem müssen wir manchmal standhaft bleiben. Erst wenn wir wirklich lieben, sind wir auch in schwierigen Zeiten bereit, an der Beziehung festzuhalten und füreinander da zu sein.“

Erinnert Sie das vielleicht an einen Satz, der in meinen Newslettern häufiger vorkommt? „Liebe ist Arbeit – vermutlich die schönste der Welt.“

Und im Übrigen: Kinder sind auch nur Menschen und müssen ebenfalls nicht perfekt sein…

Die Sache mit der Harmonie…

„Ebony and Ivory – Live together in perfect harmony“…von Paul Mc Cartney und Stevie Wonder aus dem Jahr 1982 hat sich in manchen Köpfen schon gut manifestiert. Die Sehnsucht nach Konfliktfreiheit (in diesem Fall zwischen Elfenbein und Ebenholz, also schwarz und weiß) ist groß. Es gibt Zeitschriften hierzu, Teemischungen, Badezusätze, stapelweise Ratgeber…Yin und Yang stets an unserer Seite…

Was tun wir nicht alles für Harmonie oder anders gefragt, warum tun wir das alles?

Hinter der Suche nach Harmonie stecken in Wahrheit tieferliegende Ängste. Angst vor Aggressionsausbruch, Angst davor in Ungnade zu fallen oder ausgeschlossen zu werden. Und in Wahrheit ist das eine uns sehr bekannte Angst…und da sind sie schon wieder…unsere gelliebten und doch stets verdrängten Kindheitsverletzungen – dieses Mal in Form von Angst vor Ablehnung, Zurückweisung, Liebesentzug, wenn wir uns nicht so verhalten, wie es die Eltern gefordert haben.

Wir lernen von klein auf, uns einzuordnen. Ausgestoßen zu sein, ist sowohl für ein Kind als auch für einen Erwachsenen einer der wohl schlimmsten Strafen. Kennen Sie das auch noch, als Sie die Tante „gezwungen“ hat, dem Spielkameraden die Hand zu geben, um sich zu entschuldigen, egal ob Sie wollten oder nicht? Und haben Sie es dem lieben Frieden Willen getan oder haben Sie lieber den abgestandenen Geruch in der Strafecke genossen?

Wie sieht es heute aus? Immer noch im Klub der Harmonie dabei? Die Bezugspersonen sind nicht mehr unbedingt unsere Eltern, sondern die viele anderen Mitmenschen, von denen wir täglich umgeben sind und mit denen wir „im besten Einvernehmen“ leben wollen.

Ja, seien Sie zuverlässig, fallen Sie bloß nicht auf und ecken Sie bitte nicht an – dann können Sie sich dem Wohlwollen der Gesellschaft sicher sein. Jede Gemeinschaft benötigt für ihr Funktionieren genau solche Menschen; Menschen, die sich integrieren, die verlässlich und berechenbar sind.

Der Psychologe Solomon Asch hat mit einem Experiment gezeigt, wie Gruppenzwang wirkt: So hat er eine Testperson in einen Raum geführt, wo bereits mehrere andere Menschen waren. Die Testperson ging davon aus, dass es sich bei den anderen ebenso um Testpersonen handle; tatsächlich waren diese jedoch Darsteller. Gemeinsam mussten sie beurteilen, ob und inwieweit, die ihnen auf Bilder gezeigten Linien einander entsprechen. Hinzugefügt muss werden, dass diese Aufgabe grundsätzlich sehr einfach gestaltet war. Das Experiment hat gezeigt, dass sich die Testperson in 37% der Fälle der Meinung der (bewusst falschen) Schätzung der „Darsteller-Mehrheit“ anschloss.

Das zeigt, dass, wenn sich jemand konform verhält, er dem Urteil der anderen mehr vertraut als dem eigenen. Gründe, dass Menschen die eigene Meinung hintanstellen oder sogar leugnen, sind der Wunsch nach Anerkennung, aber auch der Angst vor der Ausgeschlossenheit.

Was also tun? Sie könnten sich fragen, welche Gefühle und Bedürfnisse Sie in einer bestimmten Situation haben und ob Sie nicht auch gelegentlich ihrem Bauch vertrauen dürfen oder ihrem Wissen oder eben auch einfach nur authentisch sein dürfen. Es ist schwer, dieses in der Kindheit erfahrene Verhalten zu ändern, aber Sie müssen ja nicht in Aggression oder Unfreundlichkeit verfallen. Wenn Sie sich der Meinung anderer anschließen, ohne davon überzeugt zu sein, was sagt das dann über Sie aus? Verraten Sie sich nicht ein wenig selbst? Wie wäre es, wenn Sie in einer solchen „Harmonie-Zwickmühle“ einfach Sie selbst sind und sagen, was Sie denken und fühlen? Ein Versuch ist es allemal wert…

Impulse aus Psychologie heute 08/2016

Hilfe für die Starken

In unserer Gesellschaft denken wir oft daran, den Menschen zu helfen, die nicht gut für sich selbst sorgen können oder die Hilfe benötigen, weil sie in wirtschaftlicher, persönlicher oder seelischer Not sind. Da mutet es auf den ersten Blick merkwürdig an, wenn die Forschung behauptet, dass erfolgreiche und starke Menschen sich oft unsicher fühlen und Hilfe brauchen.

Das ist aber das Ergebnis der Forschungen der Professorin für klinische Psychologie Meg Jay, die sie in einem Interview im SPIEGEL (Nr. 45/2018) erklärt.

Starke Menschen sind oft solche, die Erfolg haben und mit den Widrigkeiten des Lebens gut umgehen können, die – wie man sagt – resilient sind. Diese Stärken kann aber sehr unterschiedliche Ursachen haben und Professorin Jey erklärt dies unter anderem damit, dass sich solche Menschen aus bedrückenden Erfahrungen der Kindheit (Trennung der Eltern, Übergriffe von Autoritätspersonen, früher Kontakt mit dem Tod in der Familie) eine „zweite Haut“ oder auch eine „falsche Identität“ angelegt haben. Um dem Problem auszuweichen oder damit umzugehen, suchen und finden sie Vermeidungsstrategien und entwickeln Stärken in Hobbies und im Beruf nach dem Motto: „Wenn ich zeige, dass ich stark bin und mit allem umgehen kann, dann verblasst auch die Erinnerung an die Erfahrung der Schwäche.“

Damit einher geht auch eine erhöhte Wachsamkeit. Als Kinder wittern solche Menschen überall Gefahren und sind in einem permanenten „Alert-Zustand“, der diesen Kindern und später auch den Menschen im Erwachsenen-Alter eine große Fähigkeit zur Sensibilität gibt, aber laut Professorin Jey auch seine Schattenseiten hat: „[Diese Kinder] passen sich maximal an und setzen alles daran, um nicht zu provozieren. Aber es schützt sie nur kurzfristig. Denn der Kampf gegen den Stress der Kindheit ist auch Stress, und dessen Folgen äußern sich oft erst im Erwachsenenalter.“

Die Erkenntnisse besagen, dass 75% der Menschen mit einer belastenden Kindheitserfahrung aufwachsen. Wer sich dieser später nicht stellt, ist in Gefahr, sich zu verleugnen. Sich dieser Erfahrung zu stellen und daran zu arbeiten, ist eine große Überwindung, Es ist aber auch der Schlüsse dazu, sich nicht perfekt der äußeren Welt anzupassen, sondern das Leben zu Leben und zu genießen.

In meiner Praxis sehe ich viele Menschen, denen es ähnlich geht. Menschen, die eigentlich stark sind, mit beiden Beinen im Leben stehen und das sind, was wir nach außen hin „erfolgreich“ nennen. Aber hinter diesem Erfolg stehen oft starke Schmerzen, große Überwindung und oft auch Einsamkeit. Resilienz ist gut, um im Sturm nicht umzufallen, aber auch starke Bäume brauchen ab und zu etwas halt und jemanden, der ihnen zuhört.

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