COPALA / Dr. Natascha Freund

Coaching & Recht

Schlagwort: Zeit (Seite 2 von 2)

Die rechtlichen Aspekte der Zeit

Man sollte es kaum glauben, aber Zeit hat auch rechtliche Aspekte. „Zeit“ kommt in ganz vielen rechtlichen Regelungen und Gesetzen vor, z.B. das Arbeitszeitgesetz (AZG) oder das Schulzeitgesetz. Und ganz viele andere Gesetze regeln auch zeitliche Aspekte z.B. in Bezug auf Ausbildungszeit und Pensionen.

Ja, wir haben sogar ein Zeitzählungsgesetz in Österreich und das seit 1976. Hier die wichtigsten Bestimmungen:

§ 1. (1) Als Normalzeit in der Republik Österreich gilt die Mitteleuropäische Zeit.

(2) Die Mitteleuropäische Zeit ist die Zonenzeit, für die die Zeit des 15. Längengrades östlich von Greenwich maßgebend ist.

(3) Als Sommerzeit im Sinne dieses Gesetzes gilt die gegenüber der Normalzeit um eine Stunde vorverlegte Stundenzählung.

§ 2. (1) Die Bundesregierung wird ermächtigt, aus volkswirtschaftlichen Gründen durch Verordnung den Zeitpunkt der Einführung der Sommerzeit und der Wiedereinführung der Normalzeit zu bestimmen.

(…)

(3) Die Sommerzeit kann innerhalb des Zeitraumes zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober eingeführt werden.

(4) Die Sommerzeit hat jeweils an einem Samstag oder Sonntag zu beginnen und zu enden. Das jeweilige Datum und die Uhrzeit des Beginnes und des Endes der Sommerzeit sind durch Verordnung zu regeln.

(5) Bei Beendigung der Sommerzeit ist die letzte Stunde doppelt zu zählen. Die erste dieser doppelt zu zählenden Stunden ist mit dem Zusatz A, die zweite mit dem Zusatz B zu bezeichnen.

Im zeitlichen Sinne ist also in Österreich alles geregelt.

Von der Bedeutung der Zeit

Zeit ist ein wirkliches Phänomen. Haben Sie sich überlegt, in wie vielen sprachlichen Wendungen die Zeit vorkommt? Mal ist der Mensch aktiv eingebunden („Ich habe Zeit“, „Ich nehme mir Zeit“, „Ich verbringe Zeit“),  mal scheint die Zeit selbst aktiv zu sein auf vielfältigste Art, sie vergeht, läuft ab, wird knapp, wird verloren, verstreicht, heilt (alle Wunden), zieht sich usw. Und dann die vielen Hauptworte, in der sie eingebunden sein kann: Zeitverlust, Zeitnot, Zeitknappheit, Zeitmanagement, Freizeit, Zeitfenster usw.

Offensichtlich ist für viele Menschen die Zeit zu einem Wirtschaftsgut geworden, denn „Zeit ist Geld“. So sieht es auch der Zeitforscher Karlheinz Geißler, der dazu im Standard ein Interview gab. Unter anderem lernte ich daraus, dass es die Uhr seit ca. 600 Jahren gibt und ein Leben nach der Uhr so manche Nachteile mit sich bringt, wie es Geißler formuliert:

„Der Uhrzeitmensch kennt keine lebendigen, bunten und abwechslungsreichen Zeiten, er kennt nur farblose und zählbare Zeiteinheiten. Aber die Zeiten, die im Leben zählen, sind die Zeiten, die nicht gezählt werden.“

Ein pessimistisches Szenario? Oder geht es Ihnen auch so? Wann erleben Sie „Zeit“ und wann sind Sie der „Sklave“ Ihres Kalenders?

Offenbar herrscht der ökonomische Zwang sich der Zeit zu unterwerfen, dem Druck des Terminkalenders, der Erwartung anderer Menschen, dass wir unsere Zeit optimiert und vollgestopft verbringen. Geißler geht davon aus, dass die heute herrschende Zeitverdichtung, verstärkt durch digitale Technologien und multitasking fähige Endgeräte uns eines Tages überlastet.

Geißler empfiehlt, der eigenen Zeitnatur nachzuspüren, sich bewusster auf die Zeit einzulassen, v.a. auf die Übergänge zwischen verschiedenen Aktivitäten. Dazu empfehle ich Ihnen 3 Übungen:

  1. Wenn Sie das nächste Mal eine berufliche Aktivität wechseln (also z.B. aus einer Besprechung zurückkommen und am Computer arbeiten wollen oder eine inzwischen eingegangene Sprachnachricht beantworten wollen), setzten Sie einen „Übergang“, indem Sie einmal aus dem Fenster schauen oder einen Tee oder Café trinken.
  2. Nehmen Sie einmal an einem freien Tag (z.B. am Wochenende) die Armbanduhr ab und schauen auch nicht auf die Zeitanzeige Ihres Smartphones, sondern versuchen Sie, dieses Tag bewusst zu erleben, ohne Zeitstruktur.
  3. Nehmen Sie sich eines oder mehrere Mitglieder Ihrer Familie oder Freunde und versuchen Sie einmal 15 Minuten still zu sitzen und nichts zu tun.

All diese Übungen dienen dazu, zu entschleunigen. Oder wie es Geißler ausdrückt:

„Dieses permanente Tun brauchen viele zur Selbstbestätigung. Man kann sich aber auch über das Lassen selbst bestätigen. Das ist viel stressfreier. Jede Aktivität speist sich aus Passivität. Ist man ununterbrochen aktiv, merkt man die Aktivität nicht – so geht es vielen Managern. Sie spüren ihre Belastung nicht mehr und kippen irgendwann um. Ihnen fehlt die Passivität, die sie in der Burnout-Klinik dann nachzuholen gezwungen werden.“

Vielleicht wollen Sie mal darüber nachdenken – wenn Sie mal wieder „Zeit haben“.

Mit zeitgemäßen Grüßen

Natascha Freund

Familienzeitbonusgesetz

Mit 1. März 2017 tritt das Bundesgesetz über die Gewährung eines Bonus für Väter während der Familienzeit (Familienzeitbonusgesetz – FamZeitbG) in Kraft. Im Folgenden werden kurz die Inhalte dieses Gesetzes dargestellt:

Mit dem Familienzeitbonusgesetz soll ein Bonus für Väter während der Familienzeit gewährt werden.

Als Familienzeit versteht das Gesetz den Zeitraum zwischen 28 und 31 Tagen, in dem sich ein Vater aufgrund der kürzlich erfolgten Geburt seines Kindes ausschließlich seiner Familie widmet und dazu seine Erwerbstätigkeit unterbricht. Er darf keine andere Erwerbstätigkeit ausüben, kein Arbeitslosenentgelt und auch kein Krankengeld beziehen.

Anspruchsberechtigt sind leibliche Väter sowie Adoptivväter und Dauerpflegeväter für ihr Kind, Adoptivkind oder Dauerpflegekind. § 2 Abs. 1 FamZeitbG nennt weitere Voraussetzungen, die Väter erbringen müssen, um Anspruch auf Familienzeitbonus zu erlangen. Hierunter fallen beispielsweise:

  • es muss Anspruch für dieses Kind auf Familienbeihilfe bestehen und diese muss auch tatsächlich bezogen werden;
  • der Vater, das Kind und der andere Elternteil müssen den Lebensmittelpunkt im Bundesgebiet (Österreich) haben und zudem in einem gemeinsamen Haushalt leben;
  • der Vater hat in den letzten 182 Tagen unmittelbar vor Bezugsbeginn durchgehend in Österreich eine kranken- und pensionsversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit tatsächlich ausgeübt sowie in diesem Zeitraum keine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung erhalten.

Der Familienzeitbonus beträgt täglich EUR 22,60. Dieser Familienzeitbonus gebührt ausschließlich für eine ununterbrochene Dauer von 28, 29, 30 oder 31 aufeinanderfolgenden Kalendertagen innerhalb eines Zeitraumes von 91 Tagen ab dem Tag der Geburt des Kindes.

Um Familienzeitbonus zu beziehen, ist ein Antrag an den gesetzlichen Krankenversicherungsträger zu stellen.

Das Familienzeitbonusgesetz ist auf Geburten nach dem 28. Februar 2017 anwendbar.

Die Zeitschublade

Liebe Leserinnen und Leser,

ging es Ihnen kurz vor Weihnachten auch so? Berufliche Termine wurden immer mehr, private Verabredungen verstärkten den Zeitdruck, Geschenken waren zu kaufen und die Weihnachtsmärkte wollte man auch noch besuchen. Dazu noch der angekündigte Familienbesuch von weit weg und die Kinder brauchen noch etwas Warmes zum Anziehen für den Winter. Als dann noch die Wachsmaschine kaputt ging und der Chorleiter 3 Extra-Proben für das Adventssingen ansetzte, wurde es richtig eng – ach ja, und dann wollte ich mir noch Zeit für eine besinnliche Vorweihnachtszeit mit meiner Familie nehmen.

Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Geht es bei Ihnen manchmal auch so zu? Stapeln sich die Verpflichtungen wirklich oder nur scheinbar so auf? Und wenn das so ist, warum? Und: was macht das mit uns?

Ich stelle mir das so vor: in meinem Leben habe ich ein bestimmtes Kontingent an Zeit verfügbar wie Platz in einer Schublade. Ein Teil dieser Schublade (Zeit) füllen andere, z.B. der Arbeitgeber, das Hobby, familiäre Aufgaben, die Schule etc. Einen Teil der Schublade fülle ich aber auch selbst. Manchmal wird es in der Schublade aber ganz schön eng, da müssen die Gegenstände schon mal ein bisschen zusammenrücken. Wenn das nicht mehr geht, wird es zum einen unordentlich, aber zum anderen fängt man auch an zu stopfen. Man drückt und quetscht die Sachen in die Lade hinein…..irgendwie muss die Lade doch zugehen…aber irgendwann geht das nicht mehr. Die Schublade ist übervoll oder: die Zeit ist mehr als ausgeschöpft. Ich kann nicht mehr in meine Zeitschublade hineindrücken und stopfen ohne etwas von dem, was schon drinnen liegt, kaputt zu machen.

Wenn Sie denken, „das quetsche ich noch rein“, kann es passieren, dass unser Zeitschublade kaputt geht. Wollen wir wirklich alle Sachen in Eile oder nur zur Hälfte machen? Wollen wir mit allem „fertig“ werden oder wollen wir auch ….. leben?

Vielleicht ist das eine Anregung, wenn Sie die Zeitschubladen in Ihrem Kasten mit der Aufschrift „2017“ befüllen?

Mit zeiteinladenden Grüßen,

Natascha Freund

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